Studiostart//Aoife Gibney

Aoife Gibney, Sopranistin aus Dublin, ist neu im Stuttgarter Opernstudio. Bei der Premiere Hänsel und Gretel am kommenden Sonntag wird sie als Sandmännchen / Taumännchen zu erleben sein. Erzähl uns von Dir, Aoife!

Aoife Gibney_SIG7589_b_(c) Martin Sigmund
Aoife Gibney fotografiert von Martin Sigmund

„Mit sieben Jahren habe ich mit dem Klavierunterricht angefangen, gesungen habe ich immer nur hobbymäßig. Ich fing einen Bachelor in Klavier an der Hochschule in Dublin an, bis ich wegen einer Sehnenscheidenentzündung zurückfiel. Ich blieb aber bei der Musik und machte einen Abschluss in Gesang. Ausbildung habe ich relativ spät angefangen, ich habe zwar immer ein bisschen gesungen, aber so richtig ernst wurde es dann im zweiten oder dritten Jahr meines Bachelors. Ich habe in Dublin bei dem Countertenor Stephen Wallace studiert, der mich mit einer Leidenschaft für die Oper angesteckt hat. Danach flog ich einige Male hin und her, um Stunden bei Patricia MacMahon in Glasgow zu nehmen. Zu dieser Zeit traf ich meine jetzige Lehrerin, Hedwig Fassbaender. Das habe ich meinem erstes Vorsingen für das Opernstudio hier (ich habe zwei Mal hintereinander vorgesungen) zu verdanken. Da schlug mir Bettina Giese vor, bei Frau Professor Fassbaender in Frankfurt zu studieren. Ich bin immer noch so dankbar für diesen Rat, er war in erster Linie der Grund, warum ich aus Irland weggegangen bin. Das Jahr mit Hedwig an der Hochschule in Frankfurt hat mein Leben verändert; sie ist so inspirierend und ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren weiter von ihr lernen werde. Ein Sängervorbild auszusuchen ist schwer. Es gibt viele Frauen, die mich aus verschiedenen Gründen inspirieren, als Sängerinnen und als Frauen. Sängerinnen, die mich inspirieren und deren Aufnahmen ich mir anhöre, sind beispielsweise Beverly Sills, Callas, Renata Scotto, Edith Mathis… die Liste geht kann ich endlos fortsetzen. Es gibt eine Sängerin zurzeit, die mich immer dazu bringt, üben zu gehen: Lisette Oropesa. Als sie eine junge Sängerin war, sagte man ihr, sie müsse abnehmen, wenn sie Karriere machen wolle. Jetzt ist sie auch noch Marathonläuferin! Außerdem, wenn ich mir Aufnahmen von ihr anhöre (insbesondere ihre Interpretation von „Robert, toi que j’aime“ bei einem Konzert), denke ich mir schnell, „Oh, sie ist einfach perfekt. Ich werde nie so gut singen.“, aber ist gleichzeitig offensichtlich, dass jeder einzelne Ton, den sie singt, sorgfältig durchdacht ist und hundertmal geübt wurde. Sie bringt mich dazu, mich wirklich anzustrengen und ich denke, das ist es, was ich bei einem Vorbild brauche.

Meine wichtigste Opernerfahrung bisher war ein Konzert mit dem Irish National Symphony Orchestra. Da ich mich entschieden hatte, meine Ausbildung außerhalb Irlands fortzusetzen und fern von der Heimat zu leben und zu arbeiten, war es eine wundervolle und bereichernde Erfahrung, nach Hause zu kommen und mit dem Orchester aufzutreten, mit dem ich aufgewachsen bin.

Nun freue ich mich auf das Jahr an der Stuttgarter Oper und die Produktionen in denen ich mitspielen darf! Es ist das erste Mal, dass ich fest angestellt arbeite, dadurch lerne ich jeden Tag etwas Neues. Ich habe mich in dem Gebäude schon oft verirrt. Als ich im Juli für Vorproben hier war, suchte ich nach den Klavierzimmern und landete schließlich irgendwo in den Tiefen des Schauspielhauses. Ein sehr netter Mann brachte mich zurück zum Opernhaus. Ich musste dabei durch den Malsaal gehen – wunderschön!

Bisher fühle ich mich sehr wohl in der Stadt Stuttgart. Als ich letztes Jahr in Frankfurt war, habe ich Grünflächen sehr vermisst (als Irin sind sie eine Selbstverständlichkeit für mich). Hier in Stuttgart gibt es viele, leicht erreichbare Parks, wo ich spazieren gehen kann. Und es hat so eine sympathische Lebendigkeit, was mir sehr wichtig ist. Natürlich liebe und vermisse ich Dublin, vor allem meinen Bruder, Cian. Er hat eine Lernbeeinträchtigung, bekannt als Williams-Syndrom, und ich habe nicht getrennt von ihm gelebt, bis ich nach Frankfurt gezogen bin im letzten Jahr. Das war die größte Herausforderung, seit ich nach Deutschland gekommen bin; Ich vermisse ihn sehr. In gewisser Weise war er in seinem Leben oft angewiesen auf mich, aber jetzt wird mir bewusst, wie sehr auch ich ihn brauche.

Aoife+Bruder
Aoife mit ihrem Bruder Cian.

In meiner Freizeit mache ich viel Sport, das hilft mir, fit zu bleiben. Obwohl es mir schwerfällt, damit eine Routine zu finden, seit ich im Opernstudio angefangen habe. Ebenso liebe ich Essen (kochen und essen – alles!) und natürlich Leute zu treffen.“


Aoife Gibney (Sopranistin) ist in der Spielzeit 2017/18 in folgenden Produktionen zu erleben:

Der Tod in Venedig

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