PAUSE

Der Eiserne Vorhang bleibt nach der letzten Opernvorstellung von Der Schaum der Tage am 26.7. bis zur Saisoneröffnung im September geschlossen. Das Ensemble, das Orchester und alle Mitarbeiter der Opernsparte verabschieden sich in die Theaterferien. In dieser Zeit darf im Max-Littmann-Bau nicht geprobt, nicht gesungen oder getanzt, und auch nicht gebloggt werden. Eine Pause, um die Seele baumeln zu lassen, die Welt zu entdecken und neue Impulse für die kommende Spielzeit zu sammeln.

Ganz leer ist das Gebäude während dieser sechs Wochen allerdings nicht: Die Opernpforte ist – mit eingeschränkten Öffnungszeiten – weiterhin besetzt. Adalbert Döbrösy ist schon seit 22 Jahren an den Staatstheatern beschäftigt, anfangs als Bühnentechniker im Schauspielhaus und Kammertheater, seit 12 Jahren arbeitet er an der Opernpforte. In dieser Funktion ist er die erste Anlaufstelle für Kollegen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern auf und hinter der Bühne, externen Dienstleistern oder Vorstellungsbesuchern, die sich zum Bühneneingang verirrt haben. Seine skurrilste Begegnung an der Opernpforte war die mit einer jungen Dame, die einen Fahrschein bei ihm kaufen wollte. „Sie dachte sie wäre am Bahnhof“, lacht Adalbert Döbrösy, „und sie hat sich dann auch noch gewundert, warum es so leise hier ist.“

Für Abwechslung im Alltag sorgen auch die verrückten Kostüme, mit denen die SängerInnen und TänzerInnen an ihm vorbei ziehen – zum Rauchen oder Luft schnappen. Momentan fallen ihm vor allem die rigiden Topfhaarschnitt-Perücken auf, die zur Maske der Puritaner gehören.

In den Ferien ist es ruhiger. Die freie Zeit wird meist für Handwerkerarbeiten genutzt, die während des laufenden Betriebs nicht angegangen werden können. „Wir bekommen eine Liste mit den Personen, die während der Ferien ins Haus dürfen, aber das sind mittlerweile so viele, dass es einfacher wäre aufzuschreiben, wer nicht rein darf“, so Döbrösy. Wenn in den Ferien spontan dringende Fragen auftauchen, müsse man selbstständiger Entscheidungen treffen, weil die die meisten Kollegen im Urlaub sind.

Unvergesslich sind Adalbert Döbrösy die Sommerferien 2014, als im August im Kulissenmagazin des Opernhauses der Rüstschrank explodiert war: „Genau 24 Stunden vorher habe ich in dem Nebenraum noch ein Fenster geschlossen. Eine halbe Stunde vor meinem Dienstschluss ist der Feueralarm hier losgegangen und hat für drei Stunden weitergeschrillt. Der Feuerwehreinsatz hat noch bis 23.30 Uhr gedauert. Glück im Unglück war nur, dass es in den Ferien passiert ist, und so keine Personen im unmittelbarer Nähe waren.“

Innerhalb des Teams kann der Dienst an der Pforte aber über die Sommerferien so aufgeteilt werden, dass auch für Adalbert Döbrösy noch Zeit für eine Reise bleibt: „Dieses Jahr fahren wir mit der Familie für drei Wochen nach Dänemark, ich mag den Norden.“

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Das Gespräch führte Johanna Danhauser

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