Chor // Anna Matyuschenko

Neun Mal wurde der Staatsopernchor schon zum „Opernchor des Jahres“ gekürt. Das Bühnenkollektiv besteht aus insgesamt 75 professionellen Sänger/Innen, die aufgrund des abwechslungsreichen Repertoirespielplans über eine enorme stilistische Bandbreite verfügen müssen. Mit großer Spielfreude erarbeiten die Damen und Herren des Stuttgarter Opernchores Inszenierungen und sind innerhalb einer Woche durchaus auch mal in drei Opernproduktionen mit ganz unterschiedlichen Regiehandschriften zu erleben. Neben der Bühne ist der Chorsaal, in dem die musikalischen Proben stattfinden der wichtigste Raum für den Staatsopernchor. Hier hat jede/r seinen festen Sitzplatz und so bekommt das Pult, an dem die Künstler/innen meist über Jahre arbeiten, im Laufe der Zeit eine sehr persönliche Note. Davon ausgehend porträtiert diese Beitragsserie die SängerInnen einmal ganz individuell, die mit ihren vielen Gesichtern die beeindruckende und facettenreiche Gruppe ausmachen.

 

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Anna Matyuschenko im Kostüm.

Wie kamen Sie zum Musiktheater, Anna Matyuschenko?

Ich habe schon gesungen, bevor ich gesprochen habe. Als Schülerin habe ich Geige und Klavier gelernt, war aber immer neidisch auf die Chorkinder – ich musste immer ins Instrumentalensemble… Außerdem habe ich mich als Kind ständig verkleidet. Die Theaterleidenschaft hatte ich also schon immer, aber ich wusste nicht, was das ist.

 

Wie lange sind Sie schon in Stuttgart?

Seit der Spielzeit 08/09. Vorher war ich für acht Monate in Mainz am Theater. In Darmstadt habe ich Gesang an der Opernschule studiert. Das war allerdings mein zweites Studium, das sich zufällig ergeben hat. Ich kam als Aussiedlerin nach Deutschland und fand hier für meinen Abschluss in Chorleitung und Volksgesang, den ich in der Ukraine gemacht hatte, keine Anwendung. Meine zweite Muttersprache, Russisch, hilft mir heute häufig, wenn es ums Lernen russischer Gesangstexte, wie aktuell Pique Dame geht. Bei den Proben zu dieser Produktion fühl ich mich wie ein Fisch im Wasser.

Was macht die Arbeit an einer Oper besonders?

Ich liebe es Theater zu spielen! Natürlich ist jede Produktion sehr unterschiedlich, je nachdem, was der Regisseur von uns will. Orpheus in der Unterwelt hat mir zum Beispiel großen Spaß gemacht, weil der Regisseur Armin Petras so natürlich mit uns gearbeitet hat, es war sehr lustig und er hat uns viel Freiheit gegeben etwas zu entwickeln. Übrigens war auch Orphée von Gluck eine tolle Arbeit, weil der Regisseur Christian Spuck Choreograph ist und daher einen ganz besonderen Probenansatz hatte, der Tänzer und Sänger in eine inspirierende Zusammenarbeit brachte. Das erinnert mich ein bisschen an Tod in Venedig, eine Koproduktion mit dem Stuttgarter Ballett, an der wir gerade mit Demis Volpi proben.

Welche Aktivitäten beleben Sie außerhalb der Bühne?

Ich wohne mit meiner Familie außerhalb von Stuttgart, in Plochingen. Das ist ein sehr angenehmer Abstand und meine drei Kinder beschäftigen mich ausreichend. Wenn ich in der Stadt bin empfinde ich die rasante Geschwindigkeit und den schnellen Rhythmus häufig als überfordernd. Wenn wir bei den Vorstellungen auf den nächsten Auftritt warten, habe ich meistens eine Strickarbeit dabei, an der ich dann arbeite. Es gibt im Damenchor übrigens einige Kolleginnen, die eine Begabung für solche Textilarbeit haben.
Ich fühle mich sehr wohl in dieser Gemeinschaft, wir halten zusammen.

 

Das Interview führte Johanna Danhauser

 


Anna Matyuschenko zum Beitragsfoto:

„Ohne gelben Marker findet für mich keine Probe statt. Natürlich gehört auch der Bleistift zur Grundausstattung des Notenpults, aber wenn das gelb fehlt muss ich mir immer so einen Marker bei den Kollegen leihen… Wie viele Kollegen habe ich auch einen Fächer für schwüle Tage, denn während der Probe bleiben die Fenster geschlossen. Die Italienbilder in meinem Nabucco habe ich mal im Supermarkt geschenkt bekommen. Sie haben mir gefallen und ich finde sie passen wunderbar zu dieser Oper.“

 

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