Chor // Saša Vrabac

Neun Mal wurde der Staatsopernchor schon zum „Opernchor des Jahres“ gekürt. Das Bühnenkollektiv besteht aus insgesamt 75 professionellen Sänger/Innen, die aufgrund des abwechslungsreichen Repertoirespielplans über eine enorme stilistische Bandbreite verfügen müssen. Mit großer Spielfreude erarbeiten die Damen und Herren des Stuttgarter Opernchores Inszenierungen und sind innerhalb einer Woche durchaus auch mal in drei Opernproduktionen mit ganz unterschiedlichen Regiehandschriften zu erleben. Neben der Bühne ist der Chorsaal, in dem die musikalischen Proben stattfinden der wichtigste Raum für den Staatsopernchor. Hier hat jede/r seinen festen Sitzplatz und so bekommt das Pult, an dem die Künstler/innen meist über Jahre arbeiten, im Laufe der Zeit eine sehr persönliche Note. Davon ausgehend porträtiert diese Beitragsserie die SängerInnen einmal ganz individuell, die mit ihren vielen Gesichtern die beeindruckende und facettenreiche Gruppe ausmachen.

 

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Saša Vrabac in der Herrengarderobe.

Wie kamen Sie zum Musiktheater, Herr Vrabac?

Das war ein Zufall, denn ursprünglich habe ich in Serbien Klavier studiert. Nach dem Studium habe ich auch eine Zeitlang Musik für das Theater in meiner Heimatstadt Zrenjanin komponiert. Dort habe ich auch die Oper für mich entdeckt, relativ spät, kurz bevor ich aus Serbien weg bin: Es war eine Vorstellung von Rigoletto und Liebe auf den 100. Blick. Meine Mutter hat früher viele Schallplatten mit Opernmusik gehört. Diese Klänge haben sich tief in mir eingeschrieben wie ein Lieblingsessen oder ein Duft aus der Kindheit…

 

Und warum singen Sie heute im Stuttgarter Opernchor?

Schon im Studium, wurde mir häufig gesagt, dass ich so eine schöne Stimme hätte aus der ich etwas machen sollte. Damals habe ich aber als überzeugter Instrumentalist ehrlich gesagt wenig von Sängern gehalten. Nebenbei war ich in einem Amateurchor aktiv, der sogar einige internationale Wettbewerbe gewonnen hat und mit dem wir viel auf Reisen waren. Bei einem Konzert in Timișoara (Rumänien) habe ich ein Solo übernommen, das der dortige Intendant hörte und mir eine Stelle in seinem Chor anbot. Ich habe die Chance ergriffen; vor allem um aus Serbien rauszukommen – mein Heimatland stand damals kurz vor einem Krieg.
Nach einer Weile bin ich in den Chor der Budapester Staatsoper gewechselt. Das war eine tolle Zeit, ich habe immer noch Kontakt zu einigen Kollegen. Dort habe ich auch mit dem Gesangsunterricht angefangen und habe in Bayreuth für den Festspielchor vorgesungen. Dass ich dort aufgenommen wurde ist bis heute ein Glück, denn dort lernte ich einen Kollegen kennen, der – auch Bass – Professor an der Hochschule in Manchester war und mir viele Tipps geben konnte. Dann wechselte ich 1996 nach Wiesbaden in den Chor und schließlich 2000 nach Stuttgart. Dass ich hier schon seit 17 Jahren arbeite und lebe ist wahrscheinlich Zeichen genug, dass ich mich hier zu Hause fühle: die musikalische Qualität, aber vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl empfinde ich hier als einen Genuss.

Was macht die Arbeit an einer Oper besonders?

In erster Linie verstehe ich mich als Musiker. Durch mein Instrumentalstudium habe ich eine sehr intensive Ausbildung, was Tonsatz und Harmonielehre angeht, genossen. Umgekehrt soll übrigens Chopin seinen Schülern gesagt haben, dass sie im Chor singen müssen, weil das für das musikalische Verständnis insgesamt wichtig ist. Ich liebe vor allem die italienische und slawische Oper und Wagner – wenn wir in solchen Produktionen auftreten, bin ich immer ganz glücklich und kann gar nicht glauben, dass ich auch noch Geld dafür bekomme (lacht). Das szenische Spiel macht mir dann Spaß, wenn ich den Regieansatz nachvollziehen kann.

Welche Aktivitäten beleben Sie außerhalb der Bühne?

Ich genieße es draußen in der Natur zu sein und Zeit mit meinen Freunden und Bekannten zu verbringen. Regelmäßig besuche ich mit meiner Freundin auch andere Theaterhäuser in der Stadt, vor allem das Theater der Altstadt und die Komödie im Marquardt.

 

Das Interview führte Johanna Danhauser

 


Saša Vrabac zum Beitragsfoto:

„Der Chorsaal ist unser Büro, das Pult unser Schreibtisch. Ich habe diverse Schreibutensilien dort deponiert. Zu jedem Musiker gehört ein Bleistift, um die Anweisungen des Chorleiters in die Noten einzutragen. Ich markiere mir außerdem immer meine Stimme farbig und lösche häufig den überflüssigen Text (meist Übersetzungen, die wir nicht singen) mit Tip-Ex. Weil ich mit meinen 1,96 m sehr groß bin habe ich mir ein Kissen angeschafft, das den Rücken schonen soll.“

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