British Phantasies

KLANGFACETTEN EINES INSELREICHS

von Rafael Rennicke

Nachdem das Staatsorchester in seinen beiden vergangenen Sinfoniekonzerten mit Benjamins Brittens psychodramatischen Four Sea Interludes und dem bravourösen Klavierkonzert op. 13 dem genialen Symphoniker die Ehre erwiesen hat – und bevor sich am 7. Mai im Opernhaus der Vorhang heben wird für die Premiere der Neuproduktion von Brittens letzter Oper Death in Venice –, wollen wir in diesem Konzert einen Streifzug durch die etwas weniger bekannten, gleichwohl höchst reizvollen Gefilde der Kammermusik von Britten und seinen britischen Zeitgenossen unternehmen. Das Inselreich Großbritannien hatte bereits im Spätmittelalter eine Musik von ganz eigenem Flair ausgeprägt – man muss nur einmal den sechstimmigen „Sommerkanonen“ Sumer is incumen in aus dem 13. Jahrhundert gehört haben, und man wird ihn nie wieder vergessen können: Anders als die Musik des europäischen Festlandes war die Musik Englands schon damals einfacher, volksnaher, weniger artifiziell stilisiert. Natürliches, oft Naturwüchsiges verströmte sie – und einen mitunter geradezu betörenden Wohlklang, der sich ihrer auffälligen Liebe zu Dur-Dreiklangen, zu Terzen und Sexten verdankte. Nachdem mit Henry Purcells Tod 1695 ein bis dahin starker Traditionsstrang mit einem Mal abgeschnitten worden war, brauchte die britische Musik lange, um sich ihrer eigenen Identität wieder zu versichern. Und als sich in den Jahrzehnten um 1900 endlich ein Umschwung abzeichnete, besannen sich die britischen Komponisten des „euphonischen“ Ursprungs der so wohlklingenden, terzenseligen Musik ihres Landes. Eine rigide Abkehr von der Dur-Moll-Tonalität kam daher den allermeisten nicht in den Sinn. Vielmehr weht durch die Klänge ihrer Musik ein Hauch von selbstbewusster Autarkie und stimmungsstarkem Kolorit, der uns die Landschaften der Insel vor das geistige Auge stellt: British Phantasies

 


6. Kammerkonzert

Tenor: Stuart Jackson
Mit Musikern des Staatsorchesters Stuttgart
26. APRIL 2017
Einführung 30 Minuten vor Beginn im Mozartsaal, Liederhalle

BRITISH PHANTASIES

GORDON JACOB
A SIMPLE SERENADE. QUARTETT FÜR FLÖTE, OBOE, KLARINETTE UND FAGOTT (1977)

BENJAMIN BRITTEN
PHANTASY. QUARTETT FÜR OBOE UND STREICHTRIO OP. 2 (1932)

BENJAMIN BRITTEN
CANTICLE III („STILL FALLS THE RAIN“) OP. 55 FÜR TENOR, HORN UND KLAVIER (1954)

FRANK BRIDGE
THREE IDYLLS FÜR STREICHQUARTETT (1906)

BENJAMIN BRITTEN
THREE DIVERTIMENTI FÜR STREICHQUARTETT (1936)

RALPH VAUGHAN WILLIAMS
ON WENLOCK EDGE FÜR TENOR, STREICHQUARTETT UND KLAVIER (1909)

MALCOLM ARNOLD
THREE SHANTIES FÜR BLÄSERQUINTETT (1943)

 

WOLFGANG AMADEUS MOZART
QUINTETT ES-DUR KV 407 FÜR HORN, VIOLINE, ZWEI VIOLEN UND VIOLONCELLO (1782)
CA. 17 MINGYÖRGY LIGETI
SECHS BAGATELLEN FÜR BLÄSERQUINTETT (1953)
CA. 15 MIN

PAUSE

JOHANNES BRAHMS
STREICHSEXTETT NR. 2 G-DUR OP. 36 (1864-65)
CA. 35 MIN


© Sebastian Klein / Licht-Schein Fotografie
Quer: v.l. Philipp Körner, Elena Graf, Claudius Müller, Madeleine Przybyl, Jan Melichar

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