Hinter den Kulissen // Maske

von Rebekka Meyer

Für die Maskenabteilung der Oper Stuttgart beginnt die Arbeit nicht erst kurz vor der Vorstellung, wenn die Sängerinnen und Sänger, Statistinnen und Statisten geschminkt und frisiert werden, sondern schon viel früher in der Vorbereitungsphase einer Produktion. Denn zu den wichtigen Aufgaben der Maskenbildnerinnen und Maskenbildner gehört auch das Herstellen, Knüpfen und Ändern von Perücken aus Echthaar.

Für die Oper BENJAMIN der Jungen Oper Stuttgart sind die Perücken von besonderer Bedeutung, denn in der szenischen Ausdeutung der Geschichte um den Traumdeuter Josef spielen Haare eine zentrale Rolle, wie der Kostümbildner Valentin Köhler erklärt. Josefs Vater Jakob, das Oberhaupt der Familie und Stammesführer, hat als Respektsperson die längsten und weiße Haare. Den jeweiligen Status der anderen Mitglieder der Gemeinschaft zeigt sich in der Haarlänge in unterschiedlichen Farben: je höher der Status, desto länger das Haar. So werden die Figuren durch die Farbe ihrer Haare einerseits als Individuen, durch die Länge andererseits in ihrer Stellung innerhalb der Gemeinschaft charakterisiert.

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BENJAMIN-Perücken in unterschiedlichen Farben und Längen.

Natalie Diehm, Maskenbildnerin an der Oper Stuttgart, ist für alle Produktionen der Jungen Oper verantwortlich und somit auch für die Herstellung der acht BENJAMIN-Perücken. Bereits seit anfangs März arbeitet sie daran, damit schon zu Beginn der Probenphase Mitte Mai und spätestens zur Premiere am 23. Juni alles fertig ist. „Ohne Hilfe der Kolleginnen und Kollegen würde ich das aber nicht schaffen!“, meint sie und erzählt weiter: „Um eine neue Perücke zu knüpfen, brauche ich ungefähr vierzig Stunden. Die Perücken von Benjamin sind zwar alle aus dem Fundus, das heißt, dass ich die Perücken hier „nur“ abändern, auf den Sänger anpassen, und je nachdem verlängern oder kürzen muss. Doch auch dies kann gerne mal 30 Stunden dauern – je nach Perücke und Kopfform des Sängers oder der Sängerin.“ Bei einer Perücke beispielsweise musste sie gar nichts ändern, sie nur waschen und glätten. Bei einer anderen hingegen gibt es vieles umzugestalten, da der neue Perückenträger eine ganz andere Kopfgröße hat als die Perücke, die als Grundlage dient. Während dieser Arbeit hält Natalie Diehm immer Rücksprache mit dem Kostümbildner Valentin Köhler, mit dem sie in stetigem Kontakt ist.

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Natalie Diehm bei der Arbeit an einer BENJAMIN-Perücke.

Die besondere Herausforderung bei BENJAMIN ist die außergewöhnliche Länge der Haare, sagt Natalie Diehm: „Wir bekommen nur Haare mit einer Gesamtlänge von 90 cm. Bei Benjamin überschreiten nun aber einige Perücken diese Länge bei weitem.“ Die Maskenbildnerin musste also einen Trick anwenden: „Meine Kollegen haben sogenannte Tressen – aufgefädeltes Haar – angefertigt, die ich auf Tüll genäht habe. Diese Haarteile werden anschließend mit Bändern im Nacken befestigt, damit das Haar länger ist. Damit dies natürlich und echt aussieht, muss das ganze Haar allenfalls nochmals abgestuft geschnitten werden.“ Für solche Vorgänge werden die Haare allerdings nie gefärbt, sondern es werden aus dem Fundus Haare mit einer ähnlichen Farbe ausgewählt.

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Natalie Diehm zeigt, wie die Haarteile im Nacken befestigt werden.

Bei der Oper BENJAMIN wird es noch eine weitere Besonderheit geben, welche Haare und Kostüm verbindet, momentan im Kunstgewerbe in der Mache ist und später vielleicht auch noch zu Natalie Diehm kommt. Was genau das ist, das wollen wir euch aber noch nicht verraten…

 

Titelbild: Valentin Köhler
Beitragsbilder: Rebekka Meyer


BENJAMIN

Oper für alle ab 14 Jahren

von Gion Antoni Derungs
Text von Giovanni Netzer

Deutsche Erstaufführung: 23. Juni 2017
Musikalische Leitung: Jan Croonenbroeck, Regie: Neco Çelik, Bühne: Stephan von Wedel, Kostüm: Valentin Köhler, Choreinstudierung: Benjamin Hartmann, Dramaturgie: Johanna Danhauser

Mit: Monika Abel-Lazar, Ibrahima Biaye, Thomas Herberich, Daniel Keating-Roberts, Konstantin Krimmel, Minyoung Catharina Lee, Philipp Nicklaus, Marc-Eric Schmidt, Lena Sutor-Wernich, Projektchor der Jungen Oper

 

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