Kammerkonzert // 3 x 3

TRIO-KLANG-WELTEN

von Rafael Rennike

Zwar ist das Duo, ohne Zweifel, die kleinste Besetzungsform kammermusikalischen Musizierens – und in dieser brennpunktartigen Fixierung gebündelter Energien auch alles andere als zu unterschätzen. Doch gilt es für Komponisten spätestens seit der Zeit Mozarts und Beethovens als ausgemacht, dass sich jenseits der »Königsgattung« der Kammermusik – dem Streichquartett – bereits auch mit der Trio-Besetzung Großes, wenn nicht alles »sagen« lässt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus der barocken Sonata a trè erwachsen, etablierte sich die Besetzung mit Klavier, Violine und Violoncello rasch als die beliebteste, wenn auch die ersten Kompositionen dieser Art noch ein deutliches Übergewicht des Klaviers und eine eher unselbständige Rolle des Cellos aufwiesen, etwa bei Johann Christian Bach oder Joseph Haydn. Erst Mozart und Beethoven setzten die beteiligten Instrumente gleichwertig ein und fanden zwischen den drei Partnern zu einer Ausgewogenheit, die noch für Komponisten der nachfolgenden Generationen wie Schubert, Mendelssohn, Chopin, Schumann, Brahms, Dvořak, Tschaikowsky, Reger oder Fauré Maßstab und Grundlage war für deren eigene Trio-Werke.

Wie faszinierend vielfältig das Klaviertrio-Repertoire ist, will dieses Konzert an drei Beispielen verdeutlichen – und es stellt dabei zugleich unter Beweis, von welch wunderbarer Vielfalt an kulturellen Identitäten das Staatsorchester Stuttgart mit seinen insgesamt 130 Mitgliedern geprägt ist. So haben es sich in diesem Konzert Muriel Bardon, Nadja Helble und Vache Bagratuni zu einer besonderen Herzenssache gemacht, ein Klaviertrio ihrer jeweiligen Heimat gemeinsam mit ihren Kollegen zum Klingen zu bringen – aus Frankreich, Deutschland und Armenien. Und wenn auch dabei die Besetzungsgröße stets dieselbe ist, dürfte unüberhörbar sein: Mit den Trios von Maurice Ravel, Gustav Jenner und Arno Babadschanjan entführen uns die drei mal drei Musiker in jeweils
ganz unterschiedliche Trio-Klang-Welten.


5. Kammerkonzert

01. MÄRZ 2017

Mit: Nadja Helble, Stefan Jank, Muriel Bardon, Natia Wiedmann, Vache Bagratuni, Stefan Schreiber, Myron Romanul

GUSTAV JENNER
TRIO ES-DUR FÜR KLAVIER, KLARINETTE UND HORN (1900)

MAURICE RAVEL
TRIO A-MOLL FÜR VIOLINE, VIOLONCELLO UND KLAVIER (1914)

ARNO BABADSCHANJAN
TRIO FÜR VIOLINE, VIOLONCELLO UND KLAVIER (1952)


© Sebastian Klein / Licht-Schein Fotografie
Auf dem Bild: Muriel Bardon, Nadja Helble und Vache Bagratuni

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