Kammerkonzert//Hommage à Robert Schumann

Auf dem Bild: Gavin Brady (Klavier), Florian Richter (Viola), Zoltan Paulich (Violoncello) und Thomas Bilowitzki (Violine)
Foto: Sebastian Klein / Licht-Schein Fotografie.


HOMMAGE À ROBERT SCHUMANN

von Rafael Rennicke

Die Musik des großen deutschen Romantikers Robert Schumann (1810 – 1856), dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 160. Mal jährte, ist noch immer von atemberaubender Schönheit und verblüffender Modernität. Auf den Spuren des ungarischen Komponisten György Kurtág stimmen Mitglieder des Staatsorchesters eine Hommage à R. Sch. an, dessen Genie bereits im jugendlich-ungestümen Klavierquartett von 1829 aufblitzt – ein Werk des 18-Jährigen, das erstmals 1979, wenn auch als Torso, veröffentlicht wurde und seit 2010 in einer spektakulären Rekonstruktion vorliegt. Mit Musik von Clara Schumann sowie des »späten« Schumann – den Märchenerzählungen als seinem letzten zu Lebzeiten publizierten Kammermusikwerk – rundet sich dieser Konzertabend und verklingt zugleich, ganz schumannesk, ins Offene …

Robert Schumann

DREI SEELEN IN SEINER BRUST
VON FLORESTAN, EUSEBIUS UND MEISTER RA RO

Robert Schumann ist unter den berühmten Komponisten womöglich der unbekannteste: Obwohl Stücke wie Mondnacht, Dichterliebe, Träumerei oder Klavierkonzert jedem Musikliebhaber geläufig sind, gibt es darüber hinaus ein umfangreiches Schumann-OEuvre, das selten gespielt wird und kaum bekannt ist. Das frühe, so ambitionierte wie ungestüme Klavierquartett führt uns in die Welt des Aufschwungs, der Begeisterung und der stiebenden Funken, während die späten Märchenerzählungen mit ihren labyrinthischen Melodien das filigran verästelte, grüblerische Klangdenken des Komponisten zeigen, das die Tore öffnet ins Neuland der Moderne.

Das poetische Jugend-Credo galt für Schumann dabei bis zum Schluss, angelehnt an die Verse Friedrich Schlegels, die er 1838 seiner Klavierfantasie op. 17 als Motto vorangestellt hatte: »Durch alle Töne tönet / Im bunten Erdentraum / Ein leiser Ton gezogen / Für den, der heimlich lauschet.« Zum leisen Ton und heimlichen Lauschen gehörte für ihn aber auch schon immer viel mehr. Schumanns radikal subjektive, fieberkurvenreiche Musik übersteigt von Anfang an ihre eigenen Grenzen und verweist auf eine Welt, in der sich der Komponist nicht wohlfühlt, deren Regeln ihm kalt und abstoßend erscheinen, deren Forderungen er nur teilweise und häufig gar nicht erfüllen kann: Romantik als die endgültige Vertreibung aus dem Paradies.

 


3. Kammerkonzert

Hommage à Robert Schumann

Mit Musikern des Staatsorchesters Stuttgart
14. DEZEMBER 2016
Einführung 30 Minuten vor Beginn im Mozartsaal, Liederhalle
GYÖRGY KURTÁG
HOMMAGE À R. SCH. OP. 15D FÜR KLARINETTE, VIOLA UND KLAVIER (1990)

CLARA SCHUMANN
DREI ROMANZEN OP. 22 FÜR KLAVIER UND VIOLINE (1853)

ROBERT SCHUMANN
MÄRCHENERZÄHLUNGEN. VIER STÜCKE FÜR KLARINETTE, VIOLA UND KLAVIER OP. 132 (1853)

PAUSE

ROBERT SCHUMANN
QUARTETT C-MOLL FÜR KLAVIER, VIOLINE, VIOLA UND VIOLONCELLO (1829)

 

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