Applaus, Applaus 5

Inspizient Thomas Fürstenau über seinen ganz persönlichen Applaus …

Für wen applaudieren Sie, wenn die Vorstellung zu Ende ist? Natürlich für die Künstler, die am Schluss der Vorstellung auf die Bühne treten und sich verbeugen. Was ist aber mit den Personen, die maßgeblich zum Gelingen der Oper oder des Konzerts beteiligt sind, jedoch nicht sichtbar beim Schlussapplaus erscheinen? Heute erzählt Inspizient Thomas Fürstenau vom schönsten Applaus, den er bekommen hat.

Das Publikum besucht die Vorstellung, um die Sänger und die Musik zu hören, die Inszenierung zu sehen und sich darüber Gedanken zu machen, nicht in erster Linie, um perfekte Verwandlungen zu erleben. Der Applaus ist also nicht für uns hinter der Bühne, sondern für die Künstler. Ich sehe meine Aufgabe eher darin, das Forum für Applaus zu geben. Wenn der Vorhang direkt auf den Abschlag des Dirigenten schließt, merkt das der Zuschauer vielleicht nur im Unterbewusstsein, bekommt aber einen Impuls zu klatschen. Allerdings fühle ich mich beim Applaus am Ende der Vorstellung, direkt nachdem sich der Vorhang schließt, auch eingeschlossen.

Puritani  Backstage BO 7
Inspizient Thomas Fürstenau im Gespräch mit dem musikalischen Leiter Giuliano Carella während einer Probe zu Die Puritaner; Foto: A.T. Schaefer

Im Barbier von Sevilla gibt es eine Verwandlung, bei der ein großes Tuch von der Bühne gezogen wird. Es sind so viele Bereiche daran beteiligt, die auf das Inspizientenzeichen reagieren. Wenn die Verwandlung klappt, klatschen die Zuschauer. Dann freue ich mich für alle, denn wir können nur in der Gemeinschaft funktionieren.

Etwas Besonderes ist es auch, wenn das Publikum so gebannt ist, dass es nicht applaudieren kann. Diese starke Spannung merkt man bis hinter die Bühne. Ich bekomme Applaus auf eine andere Weise. Bei fast jeder Vorstellung ist Intendant Jossi Wieler hinter der Bühne und spricht bei guten Vorstellungen sein Lob aus. Auch wenn ich die Künstler zu ihrem Auftritt an die Bühne begleite und merke, wie ihre kalte Hand kurz vor dem Auftritt warm wird, ist das Beifall für mich.

Bei einem Gastspiel in Japan habe ich etwas ganz Schönes erlebt. Die Kollegen von Technik und Kostüm, die an der Vorstellung beteiligt waren, hatten jeweils einen Dolmetscher. Alle standen während der Vorstellung alle auf der Seitenbühne und ich erklärte ihnen, was meine Arbeit ist. Als ich ihnen erzählte, dass wir darauf achten, dass der Vorhang mit dem Abschlag des Dirigenten schließt, waren sie verwundert, weil sie das nicht kannten. Als es am Schluss klappte und der Vorhang stimmte, applaudierten alle hinter der Bühne. Diese Freude der Kollegen war für mich wunderbar.

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