Meisterklasse!

Im Rahmen eines dreitägigen Intensivworkshops bekamen die Sängerinnen und Sänger des Opernstudios die Möglichkeit mit einem Meister der Sangeskunst, Kammersänger und Ehrenmitglied der Staatstheater Stuttgart Wolfgang Schöne, zu arbeiten und zu lernen.

 

  1. Wie erleben Sie die jungen Sänger aus dem Opernstudio?

Ich bin begeistert, wie viel Talent im Stuttgarter Opernstudio versammelt ist. Sehr unterschiedliche Typen – musikalisch, im Aussehen und im Wesen – aber alle von einer hervorragenden Begabung und bereits auf einem hohen Level ausgebildet. Einige habe ich schon auf der Bühne in kleineren Partien erlebt. Sie waren mir mitunter gar nicht aufgefallen, weil sie neben den älteren Kollegen gesanglich und szenisch schon so professionell agierten. Die Chance Bühnenerfahrung im regulären Vorstellungsbetrieb zu sammeln zeichnet das Stuttgarter Opernstudio aus.

Darüber hinaus ist die persönliche Verbindung unter den Opernstudiomitgliedern auch musikalisch spürbar. Während der Masterclass gab es einen erhellenden Moment, indem die Sängerinnen Idunnu Münch und Esther Dierkes spontan den Abendsegen aus Hänsel und Gretel zusammen sangen. Es klang bewegend schön. Ein scheinbar einfaches Duett, doch ein harmonischer Zusammenklang ist unheimlich schwer herzustellen und das haben die beiden ohne vorher zu proben mit Leichtigkeit hergestellt.

2. Was ist Ihr Arbeitsansatz?

In diesen drei Workshop Tagen, ging es mir darum Feinheiten und Farben herauszuarbeiten. Die Sängerinnen und Sänger suchen selbst die Werke aus, an denen wir feilen. Dabei greife ich nicht in ihre Gesangstechnik ein, denn das ist eine Basis, die bei jedem anders gewachsen ist und viel Zeit bedarf. Es kam aber auch schon vor, dass ein Stück so perfekt vorbereitet war, dass ich sprachlos war und nichts mehr zu verbessern wusste.

3. Wie sah ihr Karrierebeginn aus?

Ich selbst habe sehr spät mit dem Singen begonnen und schon als Lehrer bevor ich dann mit 25 Jahren an der Musikschule Hannover Gesangsunterricht nahm. Ich hatte großes Glück mit meinem Lehrer Naan Pöld, ein Tenor, der mich zeitlebens betreute. Selbst als ich schon an den großen Häusern sang, ließ ich mich immer wieder von ihm „kontrollieren“, da nur er meine Stimme wirklich kannte. Auch ich hatte natürlich als junger Sänger ein Vorbild: Dietrich Fischer-Dieskau, doch ich wollte ihn nie imitieren, sondern habe immer meinen eigenen Stil verfolgt.

4. Können Sie auch etwas aus dieser Masterclass mitnehmen?

Ja, eine Menge Spaß! Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt, da ich selbst dieses Unterrichtsformat nie am eigenen Leib ausprobiert habe. Es war anregend, mit diesen hochtalentierten und aufmerksamen jungen Kollegen und Kolleginnen zu arbeiten.

(Interview: Johanna Danhauser)


Wolfgang Schöne wurde in Norddeutschland geboren. Sein Studium absolvierte er an den Musikhochschulen in Hannover und Hamburg.

Zunächst war er hauptsächlich als Konzert- und Oratoriensänger tätig. Die Passionen und Kantaten von Johann Sebastian Bach gehören ebenso zu seinem Repertoire wie die großen Oratorien von Haydn und Mendelssohn Bartholdy. Schon bald wurde sein Talent für die Oper entdeckt. Von 1973 bis 2005 gehörte er dem Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart an. 1978 wurde er dort zum Kammersänger ernannt. Darüber hinaus ist er Ehrenmitglieder der Württembergischen Staatstheater Stuttgart.

Er war Gast bei den Festspielen in Salzburg, Israel, Aix-en-Provence, München und Glyndebourne. Regelmäßig gastiert er an den Opernhäusern in Amsterdam, Paris, Barcelona, Bologna, Genf, Köln, Hamburg, Berlin und Dresden.

Zu seinem Repertoire gehören u. a. Partien wie Barak (Die Frau ohne Schatten), Mandryka (Arabella), Carlo Borromeo (Palestrina), die Titelpartie in Der fliegende Holländer, Dr. Schön (Lulu), Jochanaan (Salome), Germont (La traviata), Athanaël (Thaïs), Wanderer (Siegfried), die Bösewichte (Les contes d’Hoffmann), die Titelpartie in Szymanowskis König Roger, Amfortas (Parsifal) und Hans Sachs (Die Meistersinger von Nürnberg). Weitere Erfolge feierte Wolfgang Schöne in der Titelpartie von Marschners Hans Heiling an der Deutschen Oper Berlin unter dem Dirigat von Christian Thielemann, als Gyges (in Zemlinskys Der König Kandaules) bei den Salzburger Festspielen, als Moses (Moses und Aron) in Stuttgart, als Hans Sachs in Hamburg und Essen, in der Inszenierung der Lulu in Paris und Athen, als Kurwenal (Tristan und Isolde) in Stuttgart und als Scarpia (Tosca) in Stuttgart.

Er arbeitete mit vielen bekannten Dirigenten wie Solti, Muti, Mehta, Barenboim, Kubelík, Sawallisch, Sinopoli, Tate, Chailly, Rattle, Thielemann, Davies und Nagano zusammen.

Im Jahr 2009 sang er in L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe von Henze in Dresden, 2010 in Die Gezeichneten von Schreker in Los Angeles und in Violanta von Korngold in Buenos Aires, 2011 in Dialogues des carmélites von Poulenc in Stuttgart, 2012 die Partie des Arkel in Pelléas et Mélisande von Debussy in Essen, die er 2014 auch in Nantes und 2015 in Hamburg sang.

Zahlreiche Plattenaufnahmen und ein Repertoire von ungefähr 70 Opernpartien zeugen von der Vielseitigkeit des Sängers.


Auf dem Beitragsfoto: Idunnu Münch, Esther Dierkes

Es fotografierte Johanna Danhauser

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