Applaus, Applaus 4

Übertitler Cornelius Feil, der Mann, der jeden Stuttgarter Applaus kennt …

Für wen applaudieren Sie, wenn die Vorstellung zu Ende ist? Natürlich für die Künstler, die am Schluss der Vorstellung auf die Bühne treten und sich verbeugen. Was ist aber mit den Personen, die maßgeblich zum Gelingen der Oper oder des Konzerts beteiligt sind, jedoch nicht sichtbar beim Schlussapplaus erscheinen? Heute berichtet Cornelius Feil, Übertitler, welche Faktoren einen begeisterten Applaus bedingen.

Wie enthusiastisch das Publikum zum Schluss applaudiert, hängt oft schon damit zusammen, ob es bei den Einführungen mitgerissen wird und der Begeisterungs-Funke überspringt. Ich merke auch, dass ein Stück, in dem die Zuschauer viel Szenenapplaus geben, am Ende mehr Beifall bekommt. Ich freue mich für die Künstler über viel Beifall.

Es kann durchaus passieren, dass mit Zwischenapplaus der rote Faden verloren geht. Das kann dann problematisch sein, wenn ein Sänger seinen Ton aus der vorangegangenen Phrase mit übernehmen muss. Ich sehe aber auch oft, dass die Dirigenten extra auf die Reaktion des Publikums warten und Szenenapplaus durchaus zulassen. Ich finde es sehr schade, wenn dann die Zuschauer nicht klatschen.

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Blick aus der Übertitelkabine zum Schlussapplaus mit dem Enseble von Rigoletto; Foto: Julia Maschke

Der Schlussapplaus ist noch Bestandteil des Gesamtwerkes und sollte sich ästhetisch und elegant in das Bühnengeschehen einfügen. Gerade der Schlussapplaus gibt dem Publikum die Möglichkeit, alle darstellenden Personen in der Gesamtheit wahrzunehmen. Mir gefällt es zu beobachten, welche Unterschiede es beim Verbeugen gibt: Manche Darsteller lösen sich nicht von ihrer Figur, manche sind überzeugt von sich, manche treten sehr dezent auf. Wenn ich sehe, dass der Applaus für einen Künstler so stark ist, dass er im aufbrausenden Enthusiasmus des Publikums die Bühnenmitte gar nicht mehr erreicht, kann mich das durchaus zu Tränen rühren.

Der Applaus ist für die Künstler und das Werk. Es würde mich interessieren, ob er in der Intensität genauso stark wäre, wenn es keine Übertitel geben würde und dadurch das Werk in kleinen Details nicht unbedingt komplett verstanden werden kann. Wir haben in dieser aktuellen Spielzeit die Übertitel für die Wiederaufnahmen von „Barbier von Sevilla“ und  „Carmen“ neu überarbeitet. Die Übertitel sind jetzt bedeutend ausführlicher und näher an der Inszenierung, und positiverweise konnte ich die Feststellung machen, dass der Schlussapplaus dieser Vorstellungen vergleichsweise im Gegensatz zu den letzten Serien mehr Energie und längere Präsenz besitzt.



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Cornelius Feil, Übertitler an der Staatsoper Stuttgart. 1981 begann er sowohl eine Gesangsausbildung, als auch eine Ausbildung in Video- und Fernnsehtechnik. Lange Zeit trat er als Statist und Extra-Chorsänger auf der Bühne auf. Mit dieser Bühnenerfahrung und den technischen Fähigkeiten übernahm er 1994/95 die Einrichtung der ersten Übertitelungsanlage in der Oper Stuttgart. Seither arbeitet er bei jeder Vorstellung als Übertitel-Korrepetitor. Sein Wissen ist auch an anderen großen Opernhäusern gefragt.

 


Foto: Johanna Danhauser

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