Applaus, Applaus 3

Statist Eberhard Körner über die verschiedenen Applause …

Für wen applaudieren Sie, wenn die Vorstellung zu Ende ist? Natürlich für die Künstler, die am Schluss der Vorstellung auf die Bühne treten und sich verbeugen. Was ist aber mit den Personen, die maßgeblich zum Gelingen der Oper oder des Konzerts beteiligt sind, jedoch nicht sichtbar beim Schlussapplaus erscheinen? Heute berichtet Eberhard Körner, Statist an der Oper Stuttgart, welche Unterschiede beim Applaus eines Publikums er wahrnimmt.

Für mich als Statist ist der Applaus etwas ganz Besonderes. Wenn ich daran denke, bekomme ich schon Gänsehaut. Es ist eine Bestätigung für das, was man geleistet hat. Die Zuschauer reagieren sehr emotional; je stärker sie bewegt sind, desto heftiger entlädt sich der Applaus. Er ist immer anders, weil auch die Stimmung der Zuschauer in jeder Vorstellung anders ist. Bei Nachtmittagsvorstellungen beispielsweise, habe ich beobachtet, dass an komplett anderen Stellen geklatscht wird, als sonst. Aber den Premierenapplaus finde ich am spannendsten, denn da erleben wir zum ersten Mal, wie die Inszenierung vom Publikum aufgenommen wird.

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Szene aus La Bohème, Auf dem Bild: Yuko Kakuta (Musetta), links dahinter Eberhard Körner (Oberkellner), Staatsopernchor; Foto: A.T. Schaefer

Der Applaus kommt auf jeden Fall auf der Bühne an. Ich freue mich über Szenenapplaus, weil er die Stimmung steigert. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen Zuschauer und Bühne. Beide Seiten schaukeln sich gegenseitig hoch und die Stimmung wird immer besser.

Es gibt Stücke, die betroffen machen, das merkt man auch an der Reaktion: Nach dem Stückende hält das Publikum noch ein paar Sekunden dieses Schweigen. Dann bin ich auch still und möchte nachdenken.

Es kommt darauf an, wie die Inszenierung ist und von welchem Regisseur, aber selbst wenn es mir nicht so gut gefallen hat, habe ich noch nie gebuht. Das finde ich irgendwie entwürdigend. Lieber klatsche ich heftig oder rufe „Bravo“, denn alle Beteiligten geben ja für die Vorstellung ihr Bestes.



Eberhard Körner, Statist der Oper Stuttgart. Der Hörgeschädigtenpädagoge und pädagogische Audiologe war bereits während seines Berufs im Theater aktiv und studierte mit seinen schwerhörigen und gehörlosen Schülern Schauspielstücke und sogar Musicals ein und führte sie auf. Seine erste Rolle als Statist erhielt er 2013/14 an der Jungen Oper Stuttgart bei der Uraufführung des Musiktheaters Momo. In derselben Spielzeit wirkte er bei der Uraufführung der Oper wunderzaichen mit und gehört seitdem zum festen Stamm der Statisterie der Oper Stuttgart. Es folgten Auftritte in La Bohème (Oberkellner), Der Barbier von Sevilla, Der Freischütz und Der Rosenkavalier. In The Fairy Queen blieb er vielen Zuschauern als legendärer Liebhaber Eberhard im Gedächtnis.


Titelbild: A.T. Schaefer

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