Puritaner//Blick aufs Detail 1

Die zerbröselte Rose

In vielen Opernproduktionen wird auf Details Wert gelegt, die vom Zuschauer mal bewusst, mal unbewusst wahrgenommen werden. Bei der Inszenierung von Die Puritaner verstecken sich ebenfalls einige kleine Elemente auf der Bühne. Vielleicht entdecken Sie das ein oder andere Detail während der Vorstellung. Heute erzählt der Tenor Heinz Göhrig (Sir Bruno) von der vergessenen Rose.

In der Wandvertiefung, aus der ich die Rose nehme, stand wahrscheinlich früher einmal eine Marienstatue. Sie ist aber durch die Bilderstürme – so wie die anderen Statuen und Gemälde in diesem Bühnenbild – auch weggekommen. Die Rose ist ein Relikt aus alter Zeit, wo dieser Raum noch nicht zerstört war und wurde wahrscheinlich dort vergessen.

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Was von der Rose übrig bleibt …

Die Rose zu zerbröseln geht leicht, da sie getrocknet ist. Bruno nimmt sie ganz nebenbei, er bemerkt es gar nicht, dass er sie zerbröselt. Seine ganze Wut über Riccardo lässt er an der Blume aus. Es könnte auch ein Stück Stoff sein, es wäre ihm egal. Wahrscheinlich zerdrückt er hier eine Reliquie der Katholiken.

Die Rose als Symbol der Heiligen Maria ist den Puritanern aber unwichtig und hat für sie keine Bedeutung. Als die Kirchen während der Bilderstürme von den Puritanern übernommen wurden, musste aller Schmuck weg. Die Räume wurden karg und leer. Darum heißen die Puritaner auch „Puritaner“, weil sie puritanisch (abgeleitet vom lateinischen Adjektiv purus = rein, schmucklos) sind

Hier entdecken Sie die anderen Details aus Die Puritaner.

 



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Heinz Göhrig, Tenor, geboren in Heidelberg. Gesangsstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Seit 1988 Ensemblemitglied an der Oper Stuttgart, 1998 erfolgte die Ernennung zum Kammersänger. Zu Heinz Göhrigs Partien in Stuttgart gehören u. a. Dancaïro (Carmen), Altoum (Turandot), Cassio (Otello), Dr. Suda (Osud/Schicksal), Pietro (Die Gezeichneten) und Mime (Siegfried). Außerdem war er hier als Tenore (Sitten und Unsitten des Theaters), Hauk-Schendorf (Die Sache Makropulos), Beelzebuth/Ein Student (Doktor Faust) und Gouverneur (Simplicius Simplicissimus) zu hören. Zu seinen jüngeren Rollen zählen Melot (Tristan und Isolde), Monostatos (Die Zauberflöte), Goro (Madama Butterfly) und Der Narr (Wozzeck). Gastauftritte führten ihn an die Bayerische Staatsoper, nach Bonn und als Scaramuccio in Wieler/Morabitos Ariadne auf Naxos 2001 zu den Salzburger Festspielen. In der Spielzeit 2015/16 ist Heinz Göhrig als Dr. Cajus (Falstaff), als Goro (Madame Butterfly), als Haushofmeister/Wirt (Der Rosenkavalier) und als Spoletta (Tosca) besetzt. Zudem ist er in den Neuinszenierungen von Salome als 2. Jude und von Die Puritaner als Sir Bruno zu erleben.


Foto: Martin Sigmund

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