Sinfoniekonzert//Outscape

VERSCHMELZEN MIT DER ANDERSARTIGKEIT

PASCAL DUSAPIN ÜBER OUTSCAPE

Outscape ist meine zweite Komposition für Cello und Orchester. Die erste, Celo (lateinisch für »ein Geheimnis bewahren«), schrieb ich 1996, und auch viele Jahre danach war ich mir sicher, dass ich eines Tages wieder ein Konzert für dieses besondere Instrument komponieren würde. Dann bekam ich den Kompositionsauftrag des Chicago Symphony Orchestra für Alisa Weilerstein. Ihr Cello-Ton und ihre Art der Phrasierung wie auch die unglaubliche Leichtigkeit, mit der sie die unterschiedlichsten Werke (von Elliott Carter über Haydn bis hin zu Edward Elgar) meistert, beeindruckten mich ungemein, und ich wusste sofort, dass eine so wundervolle, ungebundene musikalische Energie die Inspiration für eine neue Komposition sein könnte. Eine solche Künstlerin mit einem so großartigen Orchester wie dem CSO vereinen zu können, stellt eine seltene und schöne Herausforderung für einen Komponisten dar, und ich schätze mich glücklich, dass ich ein Werk für diese Künstler schreiben durfte.

Meine Arbeit zu erklären, ist keine leichte Aufgabe, denn der Fluss der Gedanken ist stets durchzogen von dem der Musik. Komponieren bedeutet, ein lebendiges Wesen zu erschaffen. Die Musik wird lebendig: Sie bezieht die Kraft, immer wieder neu zu entstehen, aus ihrer eigenen Dynamik; sie selbst erfindet ihre Zukunft, die Bedingungen ihrer Form und die Gefühle, die sie hervorruft. Am Ende steht eine Botschaft.

Der Titel trägt die Essenz dieses musikalischen Projekts in sich. Outscape ist ein recht ungewöhnlicher englischer Ausdruck, zumindest für einen Franzosen. Es ist ein Wort, das eine Vielzahl von Bedeutungen hat, von recht gewöhnlichen bis hin zu philosophischeren. Outscape bezeichnet den Weg oder die Möglichkeit, zu entkommen, einen eigenen Weg zu entdecken. Ich mag dieses Wort, weil es im Grundgedanken meinen eigenen Werdegang beschreibt: An einen anderen Ort zu entfliehen, um zu verstehen und festzustellen; und zu versuchen, noch mehr sehen und hören zu können.

So erfindet dieses Werk sich selbst: Es bewegt sich immerzu hin und her zwischen einem Cello, das »zum Orchester wird« und einem Orchester, das »zum Cello wird«. Jede der beiden musikalischen Kräfte will sich der anderen annähern, mit deren »Andersartigkeit« verschmelzen, ihre Unterschiede erkunden und sich diese aneignen; entfliehen, wiederkehren und eine neue musikalische Zukunft erschaffen. Bei Outscape hatte ich nie das Gefühl, Solistin und Orchester gegeneinander auszuspielen, sondern sie aufeinander zugehen zu lassen. Outscape beginnt scheinbar ganz einfach: Das Cello spielt einen tiefen Ton, ein Cis. Sofort spielt die Bassklarinette denselben Ton: Ein Echo, der Schatten des ersten Tons. Indem sie einander im Wechsel imitieren, lernen Cello und Bassklarinette, gefolgt vom restlichen Orchester, gemeinsam zu singen und sich zu entfalten. Sie erträumen sich unterschiedliche Wege, zu entfliehen und erfinden zusammen eine andere »Natur« …


7. Sinfoniekonzert

Markus Stenz dirigiert Bruckner

am 19. JUN 2016, 11 UHR │ 20. JUN 2016, 19.30 UHR, Liederhalle

Musikalische Leitung: Markus Stenz
Violoncello: Alisa Weilerstein
Staatsorchester Stuttgart
Einführung 45 Minuten vor Beginn im Silchersaal, Liederhalle
PASCAL DUSAPIN
OUTSCAPE. CONCERTO POUR VIOLONCELLE ET ORCHESTRE (2015)
Deutsche Erstaufführung
Kompositionsauftrag von Chicago Symphony Orchestra, Opéra de Paris und Fundação Casa da Música, in Zusammenarbeit mit Oper Stuttgart mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins der Staatstheater Stuttgart e. V. und BBC Symphony OrchestraANTON BRUCKNER
SINFONIE NR. 4 ES-DUR WAB 104 (2. Fassung von 1878)


Foto: Pascal Dusapin © Philippe Gonthier

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