Reigen//Arthur Schnitzler und die Frauen 3

Arthur Schnitzlers Tagebücher erzählen von seinen Liebschaften: mit süßen Mädels der Vorstadt, Damen der Gesellschaft, Schauspielerinnen, emanzipierten Frauen. Diese leibliche Inspiration führte Schnitzler bei seinem Theaterstück „Reigen“ die Feder. Die Begegnungen mit unterschiedlichen Frauentypen, Psychen und Biografien, führten Schnitzler auch in die Vielschichtigkeit der damaligen Gesellschaft eintauchen.
Eine Portraitgalerie:

3//Adele Sandrock

Adele Sandrock war ein echtes Theaterkind. Noch am Abend vor ihrer Geburt im August 1863, stand ihre Mutter Johanna Simonetta, eine bekannte niederländische Schauspielerin, in Rotterdam auf der Bühne. Für Adele und ihr ältere Schwester bestand nie ein Zweifel an der Berufswahl und so traten beide in Mutters Fußstapfen.
Nach einiger Zeit der Wanderschaft von einer Provinzbühne zur nächsten,
gelang ihr 1889 am Volkstheater Wien der Durchbruch über Nacht: „Als ich am anderen Morgen die Augen aufmachte, war ich die berühmte Sandrock.“
Sie spielte virtuos moderne Stücke, die ihr auf den Leib geschrieben schienen, was ihr eine große Menge an Verehrern bescherte. 1892 schrieb Schnitzler an seine derzeitige Geliebte Marie Glümer, wie entrüstet er über Adele sei. Er meinte, sie habe eine künstlerische Gewissenlosigkeit und eine unerhörte Dreistigkeit gegenüber Dichtern. Trotzdem weinte er im Theater berührt von ihrer schauspielerischen Wirkung.
Wie so viele andere vor ihm war auch er fasziniert von ihrer Persönlichkeit und ihrem Talent.
Adele genoss natürlich die Privilegien eines Stars; für sie waren die Regeln der bürgerlichen Gesellschaft aufgehoben. Ihre Liebschaften wurden wohlwollend von der Gesellschaft akzeptiert,

sie schürten die Faszination des Publikums für ihr Privatleben und Persönlichkeit. Schnitzlers Abneigung wurde nach und nach von Entzücken über die niederländische Adele abgelöst, was Adele nicht zufällig geschehen ist. Während gemeinsamen Proben, umgarnte sie ihn unermüdlich mit mündlichen und schriftlichen Liebeserklärungen.

Adeles Interesse war wie bei allen ihren Liebschaften primär sexueller Natur. Sie war die erste Frau, die Schnitzlers Launen in nichts nachstand. Die wechselseitigen Stimmungsumschwünge und Gefühlsausbrüche, führten zu einem erbitterten Machtkampf in ihrer Beziehung. Beide waren daran gewöhnt, ihren Partner zu dominieren. Ihre Auseinandersetzungen verarbeitete Schnitzler häufig beim Schreiben. So finden sich in der Figur der Schauspielerin aus „Reigen“ Züge ihrer Persönlichkeit wieder.

Geschmeichelt von der Aufmerksamkeit dieser Berühmtheit, ließ er sich auf zahlreiche Treffen und einen regen Briefwechsel ein. Doch schnell verflog das Hochgefühl dieses Liebesrauschs. Aus Langeweile beendete Schnitzler die anfangs stürmische Romanze. Ihre Mutter rächte ihre unverheiratete Tochter durch die Verbreitung der absurdesten Gerüchte, welche von Schnitzlers Gesellschaftskreis mit begeisterter Entrüstung aufgenommen wurden. Bei Adeles Abschied vom deutschen Volkstheater Wien (1895) flirtete sie um Schnitzler eifersüchtig zu machen mit einem jungen Theaterkritiker. Dieser brach daraufhin mit Adele.

Bei ihrem Debüt am Wiener Burgtheater kämpfte sie ergeben um ihre verflossene Liebelei, doch Schnitzler war längst mit Marie Reinhard liiert. 1898 beendete Adele wegen Meinungsverschiedenheiten ihre glanzvolle Karriere am Burgtheater. Ein tragischer Niedergang folgte, sodass sie sich sogar gezwungen sah Schnitzler um Geld zu bitten. Mit dem Rollentypus der ‚komischen Alten‘ im deutschen Film, erlebte sie als Schauspielerin ihre zweite Blütezeit.


Reigen

von Philippe Boesmans
in deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Regie: Nicola Hümpel, Bühne: Oliver Proske, Kostüme: Teresa Vergho, Licht: Jörg Bittner, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke

Die Dirne: Lauryna Bendziunaite, Der Soldat: Daniel Kluge, Das Stubenmädchen: Stine Marie Fischer, Der junge Herr: Sebastian Kohlhepp, Die junge Frau: Rebecca von Lipinski, Der Gatte: Shigeo Ishino, Süßes Mädel: Kora Pavelic, Der Dichter: Matthias Klink, Die Sängerin: Melanie Diener, Cornelia Ptassek, Der Graf: André Morsch, Paar im Video: Julla von Landsberg, Michael Shapira (Nico and the Navigators)

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