Reigen//Arthur Schnitzler und die Frauen 2

Arthur Schnitzlers Tagebücher erzählen von seinen Liebschaften: mit süßen Mädels der Vorstadt, Damen der Gesellschaft, Schauspielerinnen, emanzipierten Frauen. Diese leibliche Inspiration führte Schnitzler bei seinem Theaterstück „Reigen“ die Feder. Die Begegnungen mit unterschiedlichen Frauentypen, Psychen und Biografien, führten Schnitzler auch in die Vielschichtigkeit der damaligen Gesellschaft eintauchen.
Eine Portraitgalerie:

2//Jeanette Heeger

Jeanette Heeger wurde 1865 geboren. Sie lebte mit ihren vier Geschwistern in einer bescheidenen Wohnung in Wien. Wie Mimi aus Puccinis La Bohème ist sie Kunststickerin und kann aufgrund ihrer schwachen Gesundheit nicht im Sticksalon arbeiten. Bei ihrer Heimarbeit hat sie jedoch immer Schwierigkeiten, das vereinbarte Honorar zu bekommen und ist so ohne sichere Einkünfte.

1887 pfeifen Jeanette an der Pferderennbahn zwei Männer hinterher: Der eine ist Arthur Schnitzler. Sie begleitet die beiden in Arthurs Spitalzimmer und verspricht einen weiteren Besuch. Dieser ist allerdings nicht so sittsam: Jeanette ist eine erfahrene Liebhaberin, die nach Selbstaussage bereits sechs bis sieben Liebhaber hatte. Schnell hatten Jeanette und Arthur ihr eigenes Ritual, dass sie zwei- bis dreimal die Woche: Zuerst gingen sie essen, dann bleibt sie die Nacht bei ihm. Zwei bis drei Mal die Woche, wenn er Nachtdienst hat. Schnitzler passiert etwas ungewöhnliches, er verliebt sich in sie. Und auch Jeanette ist verliebt.

Doch während er von seiner Sommerreise 1888 noch viele zärtliche Briefe schreibt, ahnt sie natürlich nicht, dass er sie währenddessen betrügt. Vor allem da er es ist, der in den Briefen oft misstrauisch ist, was ihre Treue betrifft. Beiden ist jedoch klar, dass Schnitzler von seinem Stand aus nicht an eine langfristige Beziehung mit ihr denken kann. Schnitzlers Leidenschaft schwindet auch schon und er sagt ihr offen, dass er sie nie heiraten wird.

Als 1888 Schnitzler sein Spitalzimmer aufgibt, nimmt er ein Zimmer für Jeanette, um weiterhin Zeit mit ihr verbringen zu können. Es hat fast etwas häusliches, wenn er von der Arbeit zu ihr kommt, sie stickend auf ihn wartet und er dann in seinem Tagebuch schreibt (in dem sich die Namen zahlloser anderer Damen befinden) …
Jeanette will nicht akzeptieren, dass sich ihre Beziehung einem natürlichen Ende neigt. Schnitzler bleibt schon lange nicht mehr aus Liebe, sondern aus Gewohnheit und Mitleid bei ihr. Er sehnt sich in seiner Langeweile nach etwas Neuem, während sie klammert.

Ihre Auseinandersetzungen werden immer schlimmer. Nur seine Eifersucht hält die Beziehung noch aufrecht.  Auch ist Schnitzler mittlerweile unsterblich in Marie Glümer verliebt und Jeanette bekommt einen ersten Abschiedsbrief. Sie droht mit Selbstmord.

Ihr gegenseitiges Leiden und Dulden zog sich über ein halbes Jahr. Als Arthur für immer geht, schickt sie ihm seine Briefe zurück (unter denen sich noch ein paar von anderen Männern befanden) und heiratet. Sie verlässt ihren Ehemann jedoch schnell wieder und bittet um ein Wiedersehen und Geld von ihrem einstigen Geliebten. Das Geld bekommt sie, das Treffen nicht.

Sie endet als Prostituierte auf der Straße. Ein paar Jahre später, geht Arthur zufällig an ihr vorbei und sie ruft nach ihm. Er reagiert nicht.


Reigen

von Philippe Boesmans
in deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Regie: Nicola Hümpel, Bühne: Oliver Proske, Kostüme: Teresa Vergho, Licht: Jörg Bittner, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke

Die Dirne: Lauryna Bendziunaite, Der Soldat: Daniel Kluge, Das Stubenmädchen: Stine Marie Fischer, Der junge Herr: Sebastian Kohlhepp, Die junge Frau: Rebecca von Lipinski, Der Gatte: Shigeo Ishino, Süßes Mädel: Kora Pavelic, Der Dichter: Matthias Klink, Die Sängerin: Melanie Diener, Cornelia Ptassek, Der Graf: André Morsch, Paar im Video: Julla von Landsberg, Michael Shapira (Nico and the Navigators)

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