Reigen//Arthur Schnitzler und die Frauen 1

Arthur Schnitzlers Tagebücher erzählen von seinen Liebschaften: mit süßen Mädels der Vorstadt, Damen der Gesellschaft, Schauspielerinnen, emanzipierten Frauen. Diese leibliche Inspiration führte Schnitzler bei seinem Theaterstück „Reigen“ die Feder. Die Begegnungen mit unterschiedlichen Frauentypen, Psychen und Biografien, führten Schnitzler auch in die Vielschichtigkeit der damaligen Gesellschaft eintauchen.
Eine Portraitgallerie:

1//Olga Wassnix

Olga wird am 3. November 1862 als älteste von drei Töchtern eines angesehenen Gastwirtes geboren. Sie wird zur Ehefrau erzogen. Mit 19 muss sie den elf Jahre älteren Karl ‚Charles‘ Waissnix, den Besitzer eines Nobelgasthofes in Reichenau, heiraten. Als Wirtin bekommt Olga in kurzer Zeit drei Söhne. Die leidenschaftliche Jägerin und Bergsteigerin fühlt sich von ihrem trockenen Ehemann Karl nicht ausreichend geistig gefordert. Die hübsche, junge und gebildete Wirtin zieht die Blicke der Gäste auf sich. Doch sie steht unter der Bewachung ihres Mannes und Schwiegervaters.
Olga Waissnix und Arthur Schnitzler lernen sich 1886 in Meran kennen. Sie bewohnen dasselbe Hotel und lernen sich zufällig als Tischnachbarn als besondere Gesprächspartner schätzen. Innerhalb kürzester Zeit verlieben die beiden sich und verbringen abseits von Karls kritischem Blick ein paar gemeinsame Tage. Bei der Abreise sind sie sich einig, dass eine dauerhafte Affäre undenkbar wäre.

gastwirtin olga
Die Jägerin Olga Waissnix.

Bei einem Rennen in Wien nimmt Olga ihr „Besuchsverbot“ zurück. Arthur ergreift die erste Möglichkeit und kommt eine Woche später direkt nach Reichenau. Er leidet dort unter dem Klatsch über Olgas angebliche Liebschaften, auch wenn sie nur Augen für ihn hat. Charles wird langsam hellhörig und erfährt bei Arthurs nächstem Besuch von der Vorgeschichte mit seiner Frau. Er bedroht Olga, die daraufhin einen Suizidversuch mit Morphium begeht. Besorgt darüber verhält sich der Ehemann fortan freundlicher gegenüber Schnitzler. Olga nutzt diese Kulanz, verbringt viel Zeit mit Arthur. Immer wieder schwören sie sich ihre ewige Liebe. In diesem Sommer geht Charles oft verzweifelt auf die Knie und fleht seine Frau an, ihn nicht zu verlassen.

Zurück im Alltag führen sie einen regen Briefwechsel und sehen sich in Wien ab und zu in Gesellschaft. Diese seltenen Treffen sind nicht weniger intensiv und Arthur fragt sich, wie Olga die Reinheit auf das Liebesglück verzichten konnte.

Im Jahre 1889 bemerkt er, dass sein Abenteuer verflogen sei wie eine Nichtigkeit. Marie Glümer steht nun im Zentrum seines Interesses. Olga will das nicht akzeptieren, besucht Schnitzler in Wien, überschüttet ihn mit heftigen Küsse, und doch reagiert Schnitzler immer weniger auf ihre Nachrichten: „Jetzt, wo sie mit gleichgültig ist, läuft sie mir in die Arme.“

Nach zweieinhalb Jahren begegnen Olga und Arthur sich auf der Jagd wieder, doch die Spannung zwischen ihnen ist verebbt. Es gibt da eine neue Frau in seinem Leben.
Einen Tag nach ihrem 35. Geburtstag stirbt Olga Waissnix.
Olga war Arthur eine bedeutende Gesprächspartnerin, Inspiration und Muse, auch wenn es nie zum Austausch körperlicher Leidenschaft kam.


 

Reigen

von Philippe Boesmans
in deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Regie: Nicola Hümpel, Bühne: Oliver Proske, Kostüme: Teresa Vergho, Licht: Jörg Bittner, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke

Die Dirne: Lauryna Bendziunaite, Der Soldat: Daniel Kluge, Das Stubenmädchen: Stine Marie Fischer, Der junge Herr: Sebastian Kohlhepp, Die junge Frau: Rebecca von Lipinski, Der Gatte: Shigeo Ishino, Süßes Mädel: Kora Pavelic, Der Dichter: Matthias Klink, Die Sängerin: Melanie Diener, Cornelia Ptassek, Der Graf: André Morsch, Paar im Video: Julla von Landsberg, Michael Shapira (Nico and the Navigators)

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