Opernarbeit in Russland

 

In russischen Opern schlägt sich eine im Vergleich zu Westeuropa mehr kosmisch „geworfene“ Lebenserfahrung nieder, die Gewalt ist totaler, chaotischer, man ist der glühenden Lava des Erdmittelpunkts näher. Und diese tendenziell außereuropäischen Erfahrungswelten werden uns in europäischer Musiksprache erschlossen! Beispielsweise in Rimski-Korsakows „Schneeflöckchen“ die Naturkräfte oder in seiner „Zarenbraut“ die Brutalität der Macht als solcher. Zu entdecken wäre auch der neoklassische Kontrapunktiker Sergej Tanejew, der eine „Orestie“ komponiert hat.

Kerstin Holm


Kerstin Holm

Holm_Kerstin_Frank Röth
Kerstin Holm (Foto: F.A.Z., Frank Röth)

Geboren am 23. August 1958 in Hamburg. Nach dem Abitur und einem Jahr College in den Vereinigten Staaten studierte sie zunächst Musik und Grafikdesign. Dann wandte sie sich der russischen Sprache und Kultur zu. Sie studierte Musikwissenschaft, Slawistik, Romanistik und Germanistik an den Universitäten Hamburg, München, Wien und Konstanz bis zum Staatsexamen und Magister. Nach freier Verlagsarbeit 1987 Hospitanz und Eintritt in die Redaktion Geisteswissenschaften. Von 1991 bis 2013 berichtete sie aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion über Kultur im weitesten Sinn. 2003 erschien im Hanser Verlag ihr Russland-Panorama „Das korrupte Imperium“. 2008 folgte im Berlin Verlag ihr Buch „Rubens in Sibirien“ über Beutekunst aus Deutschland in der russischen Provinz. 2012 erschien in der Anderen Bibliothek unter dem Titel „Moskaus Macht und Musen“ ihre Anatomie der russischen Gesellschaft aus der Sicht der Schriftsteller Wladimir Sorokin und Alina Wituchnowskaja sowie der Komponisten Wladimir Martynow und Wladimir Tarnopolski. Seit ihrer Rückkehr in die Zentrale beobachtet sie das Theaterleben, ohne die russischen Dinge aus dem Blick zu verlieren.


DIENSTAG, 3. Mai

16.30-17.30 Uhr | Opernhaus , Foyer I. Rang

Opernarbeit in Russland 2016

Podiumsgespräch mit Kirill Serebrennikov (Gogol-Zentrum, Moskau) und Kerstin Holm (FAZ)
Freier Eintritt

Film-Premiere: Ehebruch

NOMINIERT FÜR DEN „GOLDENEN LÖWEN“ DER INTERNATIONALEN FILMFESTSPIELE VON VENEDIG 2012
19.30 Uhr | DELPHI ARTHAUS KINO
In russischer Sprache mit englischen Untertiteln
Regie: Kirill Serebrennikov
Mit Einführung und Publikumsgespräch mit dem Regisseur im Anschluss

Kinokarten 8 €

MITTWOCH, 4. MAI 2016

9.45-11.30 Uhr | Opernhaus

Öffentliche Bühnen-Orchesterprobe zu CHOWANSCHTSCHINA

Inklusive Publikumseinführung
Freier Eintritt

Kirill SerebrennikovKirill Serebrennikov

Kirill Serebrennikov, Theater-, Opern-, Film- und Fernsehregisseur, stammt aus Rostow am Don. An der Universität seiner Heimatstadt studierte er Physik. Bereits während des Studiums führte er Regie an einem Theaterstudio, ab 1994 an den Theatern von Rostow, wo er zahlreiche Klassiker der russischen Literatur auf die Bühne brachte. 2001 folgte seine erste Inszenierung in Moskau – Plastilin von Wassilij Sigarew, – die zu europäischen Theaterfestivals eingeladen und von arte aufgezeichnet wurde. Seitdem Aufführungen an den Theatern der russischen Hauptstadt, so am Puschkin-Theater, am Sowremennik-Theater oder am Staatlichen Theater der Nationen. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Moskauer Tschechow-Künstlertheater: als Regisseur inszenierte er dort u.a. Ostrowskijs Der Wald, Brechts Die Dreigroschenoper, Gorkis Die Kleinbürger, Martin McDonaghs The Pillowman. Des Weiteren war Serebrennikov 2011-2012 stellvertretender Intendant und leitete 2012 den Studiengang Schauspiel und Regie der hauseigenen Theaterschule. Mit seinen Studenten gründete er das Siebte Studio und inszenierte u.a. Shakespeares Ein Sommernachtstraum und Carrolls Die Jagd nach dem Schnark. Das Siebte Studio wurde Teil des 2012 gegründeten und von Kirill Serebrennikov als Intendant geleiteten Gogol-Centers, – eines genreübergreifenden Theaterlabors und eine der wenigen inoffiziösen alternativen Spielstätte der russischen Kulturlandschaft. Hier inszenierte er u.a. Tote Seelen von Gogol, Gewöhnliche Geschichte von Gontscharow sowie Frühlings Erwachen nach dem Musical von Duncan Sheik. Seine Inszenierung von Idioten nach Lars von Triers gleichnamigem Film wurde zum Gastspiel an der Berliner Schaubühne eingeladen. Seit 2006 ist Serebrennikov einer der künstlerischen Leiter der internationalen Festival-Schule „Territoria“. 2011 gründete er in Moskau ein experimentelles Werkstatt-Projekt „Plattform“, das zu dem Zentrum der Zeitgenössischen Kunst Winsawod gehörte, und war bis 2014 dessen künstlerischer Leiter. Im Musiktheater inszenierte Kirill Serebrennikov u.a. Der goldene Hahn am Bolschoi Theater, Falstaff am Mariinskij Theater und American Lulu an der Komischen Oper Berlin. Zudem inszenierte er die Oratorien Jeanne d’Arc au bûcher von Arthur Honegger und Perséphone von Igor Strawinsky am Moscow International Performing Arts Center. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Nationalfernsehpreis Russlands für Regie (1999), East of West Award beim Karlovy Vary Filmfestival (2005 für seinen Film Ragin) sowie der russische Theaterpreis Goldene Maske (2012). Sein Film Ismena (Untreue) wurde 2012 für den Goldenen Löwen beim Filmfestival in Venedig nominiert. An der Oper Stuttgart führt Kirill Serebrennikov 2015/16 Regie bei der Neuinszenierung von Salome.

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