Opernarbeit in Frankreich

Die Oper pflegt eine unendlich feinsinnige Beziehung mit der wirklichen Welt, füttert sie, erfindet sie neu, schmückt sie, verschiebt und modifiziert sie durch die Kreativität des Künstlers. Sie ist die Quelle eines unendlichen Vergnügens, offenbart durch die Stimmen, das rauschende Momentum von Orchester und Chor – eine Kunst, die die Imagination anregt und uns zur Reflexion inspiriert.
Kunst mag trivial wirken im Vergleich zur Gewalt und dem Horror, der derzeit unsere Welt ins Wanken bringt. Trotz ihrer Zerbrechlichkeit gegenüber dem Obskurantismus und dem Terror, bietet sie uns Erinnerungsmaterial, Kreativität und die Kraft der Utopie, die wir brauchen um Angriffe zu überleben und eine andere Zukunft zu erfinden. Das Publikum kommt als eine Gemeinschaft zusammen, denn ein Kunstwerk ist eine Erfahrung unserer geteilten Menschlichtkeit. Dieses Erlebnis ist kostbarer denn je zuvor.

Bernard Foccroulle


Opernarbeit in Frankreich 2016

FREITAG, 29. APR 2016

16.30-17.30 Uhr | Schauspielhaus, Foyer

Ein Vortrag von Bernard Foccroulle
(Festival d’Aix-en-Provence)

Freier Eintritt


 

 


Bernard Foccroulle
(Intendant des Festival d’Aix-en-Provence)

Bernard Foccroulle, geboren 1953 in Liège (Belgien), begann Mitte der siebziger Jahre seine internationale Karriere als Organist mit einem Repertoire, das von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik reicht. Er hat viele Werke uraufgeführt, u.a. von Philippe Boesmans, Brian Ferneyhough, Betsy Jolas, Xavier Darasse, Jonathan Harvey und Pascal Dusapin. Er widmet sich auch intensiv der Norddeutschen Schule und interpretierte Werke von Komponisten wie Scheidemann, Buxtehude, Tunder, Weckmann, Böhm, Reincken und Bruhns.
Insgesamt umfasst Bernard Foccroulles Diskografie mehr als 40 CD-Aufnahmen. Im Herbst 2006 erschien die Gesamteinspielung von Dietrich Buxtehudes Orgelwerk bei Ricercar, die 2007 mit dem Diapason d’Or, dem Grand Prix de l’Académie Charles Cros und anderen wichtigen Preisen ausgezeichnet wurde. Für das Label Ricercar nahm er von 1982 bis 1997 das Gesamtwerk für Orgel von Johann Sebastian Bach auf den besterhaltenen historischen Instrumenten auf, die er zuvor eigens für dieses Projekt ausgewählt hatte. Für diese Einspielung erhielt er in 2009 den Diapason d’Or. Ebenfalls bei Ricercar erschien 2014 auch seine Einspielung des Gesamtwerkes von Matthias Weckmann.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Disziplinen bildet einen wichtigen Aspekt in Bernard Foccroulles Schaffen. Im März 2014 fand beim Klarafestival in Brüssel die Premiere von Darkness and Light statt, einem Projekt in Zusammenarbeit mit der australischen Videokünstlerin Lynette Wallworth. Diese internationale Koproduktion war bereits in London, Aix-en-Provence, Luxemburg, Sydney und Hamburg zu sehen. 2008 erlebte ein mit dem katalanischen Choreographen und Tänzer Salva Sanchis gemeinsam erarbeitetes Projekt seine Premiere in Toulouse. Auch mit dem Oud-Spieler Moneim Adwan und dem Cornetto-Virtuosen Jean Tubéry gestaltet er gemeinsame Programme. Letzteres war im Oktober 2015 am Salzburger Mozarteum zu hören. Solo-Rezitale führen Bernard Foccroulle im Herbst 2015 u.a. auf eine Tournee nach Japan, wo ausserdem auch Darkness and Light erstmalig aufgeführt wird.
Als Komponist hat sich Bernard Foccroulle bisher vor allem der Kammermusik und der Orgelmusik gewidmet. Im Juni 2007 wurde sein Liedzyklus Am Rande der Nacht nach Texten von Rainer Maria Rilke für Sopran, Chor und Orchester im Palais des Beaux-Arts Brüssel uraufgeführt. Im Herbst 2014 erschien beim Label Aeon eine Einspielung mit eigenen Orgelwerken.
In den 1980er Jahren war Bernard Foccroulle Mitglied des Ricercar Consort, das sich hauptsächlich der deutschen Barockmusik widmet. Neben seiner Karriere als Organist war er von 1992 bis 2007 Direktor des Brüsseler Opernhauses La Monnaie, wo er eine große Spannweite von Produktionen programmierte, mit einem besonderen Schwerpunkt auf neuen Werken sowohl in der Oper als auch im Tanz. Seit 2007 ist er künstlerischer Leiter des Festivals von Aix-en-Provence. Mit der Gründung des Vereins „Kultur und Demokratie“ verfolgt Bernard Foccroulle seit 1993 das Ziel, einer möglichst großen Zahl von Menschen die Teilnahme am kulturellen Leben zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit Robert Legros und Tzvetan Todorov schrieb er zudem das Buch La naissance de l’individu dans l’art (Grasset, 2003).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s