Reigen//Let’s talk about sex 2

In der Probenzeit der Oper Reigen von Philippe Boesmans nach Arthur Schnitzler hat sich das Produktionsteam intensiv mit Fragen zu Sexualität, Pornografie und Onlineliebe beschäftigt. In der Beitragsreihe Let’s talk about sex werden regelmäßig die Antworten und Gedanken von willkürlich befragten Gesprächspartnern unterschiedlichen Alters, Geschlechts und sexueller Orientierung zu je einem konkreten Thema gegenübergestellt.

2//Wie stehst du zu pornografischen Medien?

Langweilig, früher war es viel geheimnisvoller. Wenn im Fernsehen eine „Nacktszene“ kam, hat meine Mutter auch immer den Fernseher ausgeschaltet.
Frau (84), aus einer hessischen Kleinstadt

Sie sind mittlerweile normaler als viele wahr haben wollen.
Mann (23)

Brauch ich nicht. Als Jugendliche habe ich natürlich „La Boum“ gesehen, zählt das als Pornofilm?
Frau (50), aus einer fränkischen Kleinstadt

Das ist eine große Branche, hinter der viel Geld steckt. Mehr Konsum als Sex, ein Rausch, eine Fatamorgana.
Frau (70) aus der Steiermark, seit 1996 in Stuttgart

Durch die Präsenz von Pornos bekommt man vielleicht Ideen, was man noch ausprobieren könnte, gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass es einer Beziehung schadet, wenn man versucht Dinge „virtuos nachzuspielen“ und der Unterschied zwischen Porno und Liebe verloren geht. Ich finde es manchmal grenzwertig, wenn ich daran denke, dass 12-Jährige so leicht Zugang zu Hardcore-Pornos bekommen können, die Vorstellungen von Liebe und Sexualität stark beeinflussen können. Ich selbst finde Pornos meistens langweilig, manchmal auch eklig. Bei Hardcore-Pornos muss ich mich immer fragen, was für eine Biographie diese Frauen wohl haben, dass sie sich Gewalt zufügen lassen.
Frau (24)

Pornos mag ich sehr.
Mann (39), von der schwäbischen Alb

Uninteressant – es ist ja immer das Gleiche. Erotische Bilder sind meistens keine pornografischen. Ich hatte da nie Bedarf, und nun bin ich aus diesem Alter heraus.
Mann (98) aus Brüssel, seit 1946 in Stuttgart

Eher nicht so gut – ich halte die langzeitige Wechselwirkung für schlecht.
Mann (32) aus der Nähe von Stuttgart

Problem ist, dass sie nicht die Realität darstellen von manchen aber als ‚Standard‘ gesehen werden. Sonst unproblematisch.
Frau (17) aus der Nähe von Stuttgart

Außer, dass die Frauenrolle meistens nicht allzu unterstützenswert ist, ist das alles in Ordnung.
Frau (16) aus Stuttgart

Viele Pornos reproduzieren ein problematisches Bild von Sexualität. Das ist sicher insbesondere für jüngere Menschen gefährlich, wenn sie denken, dass die Frau in erster Linie alle Löcher zur Lustbefriedigung des Mannes zur Verfügung stellen muss, um sich am Ende ins Gesicht spritzen zu lassen. Aber grundsätzlich ist gegen die bildliche Darstellung von Sex nichts einzuwenden. Die Tendenz, dass auch Pornos mit feministischem Anspruch produziert werden, finde ich sehr gut. Leider ist dieses Material weniger gut verfügbar.
Mann (31), aus Kamen

Plump.
Mann (50) aus Köln


Probenfoto: A. T. Schaefer
Rebecca von Lipinski, Stine Marie Fischer, Sebastian Kohlhepp, Shigeo Ishino


Reigen

von Philippe Boesmans
in deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Regie: Nicola Hümpel, Bühne: Oliver Proske, Kostüme: Teresa Vergho, Licht: Jörg Bittner, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke

Die Dirne: Lauryna Bendziunaite, Der Soldat: Daniel Kluge, Das Stubenmädchen: Stine Marie Fischer, Der junge Herr: Sebastian Kohlhepp, Die junge Frau: Rebecca von Lipinski, Der Gatte: Shigeo Ishino, Süßes Mädel: Kora Pavelic, Der Dichter: Matthias Klink, Die Sängerin: Melanie Diener, Cornelia Ptassek, Der Graf: André Morsch, Paar im Video: Julla von Landsberg, Michael Shapira (Nico and the Navigators)

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