Reigen//Let’s talk about sex 1

 

In der Probenzeit der Oper Reigen von Philippe Boesmans nach Arthur Schnitzler hat sich das Produktionsteam intensiv mit Fragen zu Sexualität, Pornografie und Onlineliebe beschäftigt. In der Beitragsreihe Let’s talk about sex werden regelmäßig die Antworten und Gedanken von willkürlich befragten Gesprächspartnern unterschiedlichen Alters, Geschlechts und sexueller Orientierung zu je einem konkreten Thema gegenübergestellt.

1//Was meinst du, hat sich in den letzten 50 Jahren im Hinblick auf Sex verändert?

Es ist offener geworden. Früher war Sex etwas Verbotenes, fand nur im Versteckten, Verborgenen statt – es gab ja noch nicht mal Sexualkundeunterricht. Ich wurde streng katholisch erzogen und habe dann mit 20 den erstbesten – völlig unerfahren – geheiratet, damit ich da raus kam.
Frau (70) aus der Steiermark, seit 1996 in Stuttgart

Durch AIDS hat sich alles sehr verändert. Einerseits eine oberflächliche Offenheit. Beziehungen, Sex, Homosexualität, Gender, das sind Themen der öffentlichen Diskussion. Aber ich habe das Gefühl es wird mehr darüber nachgedacht, als hingabevoll gelebt.
Frau (50), aus einer fränkischen Kleinstadt

Das erste Mal findet früher statt und (guter) Sex wird zum Eingehen und Aufrechterhalten einer Beziehung wichtiger.
Frau (30)

Es wird darüber geredet und auch freier gelebt.
Frau (24)

Er ist vermutlich deutlich besser geworden, weil eine liberalere Haltung zu diesem Thema es den Menschen leichter macht, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren und Lust nicht als etwas Sündiges zu begreifen. Das gilt insbesondere für Frauen, die stärker als Subjekte agieren können und sich weniger als Objekte der sexuellen Begierde des Mannes betrachten. Dadurch wird der Sex für alle Beteiligten besser. Sex ist immer nur guter Sex, wenn er gut für beide (oder wie viele Beteiligte auch immer) ist.
Mann (31), aus Kamen

Es ist offener und ehrlicher geworden und das halte ich für wertvoll. Meine Mutter hat beispielsweise nie das Wort „schwanger“ in den Mund genommen, sondern „guter Hoffnung“ oder „in anderen Umständen“. Ich dachte, das wäre etwas ganz obszönes und als ich dann einmal im Konfirmationsunterricht ausgerechnet die Bibelstelle von Marias Empfängnisverkündigung laut vorlesen musste, hab ich eine knallrote Birne bekommen. Der Pfarrer hat mich hinterher bei meiner Mutter verpfiffen, weil er dachte ich hätte sicher schon Erfahrungen mit Jungs gesammelt, weil ich beim Wort „schwanger“ so errötet bin.
Frau (84), aus einer hessischen Kleinstadt

Die Offenheit in der Praxis, der verbale Umgang und die Intensität der Selektion (Tinder…).
Mann (32) aus der Nähe von Stuttgart

Sex und Liebe wird getrennt, nahezu jeder Partner ist austauschbar, Sex wird extremer… Pornos verändern den Geschmack.
Mann (39), von der schwäbischen Alb

Sex ist unter der Decke hervorgekommen; Homosexualität und SM sind gesellschaftsfähig geworden.
Mann (50) aus Köln


Probenfoto: A.T. Schaefer
Sebastian Kohlhepp, Rebecca von Lipinski


Reigen

von Philippe Boesmans
in deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Regie: Nicola Hümpel, Bühne: Oliver Proske, Kostüme: Teresa Vergho, Licht: Jörg Bittner, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke

Die Dirne: Lauryna Bendziunaite, Der Soldat: Daniel Kluge, Das Stubenmädchen: Stine Marie Fischer, Der junge Herr: Sebastian Kohlhepp, Die junge Frau: Rebecca von Lipinski, Der Gatte: Shigeo Ishino, Süßes Mädel: Kora Pavelic, Der Dichter: Matthias Klink, Die Sängerin: Melanie Diener, Cornelia Ptassek, Der Graf: André Morsch, Paar im Video: Julla von Landsberg, Michael Shapira (Nico and the Navigators)

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