Bonjour Boesmans//2

In den kommenden Monaten wird die Oper Stuttgart dem belgischen Komponisten Philippe Boesmans anlässlich seines 80. Geburtstages einen Programmschwerpunkt widmen. Kammer- und Liedkonzerte flankieren die Neuproduktion der Oper „Reigen“, die am 24. April Premiere feiern wird. Das Staatsorchester Stuttgart macht mit seinem 4. Sinfoniekonzert am 6. und 7. März den Auftakt: Unter der Leitung von Alejo Pérez und mit der Sopranistin Laura Aikin erklingen Boesmans‘ Trakl-Lieder (1986/1989) und werden umrahmt von Franz Schrekers Streicher-Intermezzo und Gustav Mahlers Vierter Sinfonie. Konzertdramaturg Rafael Rennicke sprach vorab mit Philippe Boesmans über die Geheimnisse der Musik, große Gefühle, die Fenster in die Vergangenheit und sein Herz für die Hörer.

2. Über Philippe Boesmans Umgang mit der Tradition:

Ich glaube, es gibt keinen direkten Einfluss eines bestimmten Komponisten auf meine Musik, auch wenn manchmal behauptet wird, als belgischer Komponist stünde ich zwischen der französischen und der deutschen Tradition, namentlich Berg und Debussy, die natürlich wichtige Eckpfeiler für mein Komponieren sind. Wenn ich komponiere, spüre ich vielmehr die gesamte Geschichte der Musik hinter mir, die Vergangenheit ist für mich immer präsent – im Falle der Trakl-Lieder die Zeit des Fin de siècle, die mich fasziniert. Ich arbeite in meiner Musik – vor allem natürlich in der Oper – mit Emotionen, die bereits existieren. Es ist Bekanntes, Vertrautes; doch sind es, wohlgemerkt, keine Zitate: Ich zitiere emotionale Haltungen. Die Tonalität spielt dabei eine sehr unbewusste Rolle. Ich sage nicht: Hier muss ich nach C-Dur gehen und hier nach fis-Moll. Ich lasse das vielmehr auf mich zukommen. Manchmal ist es in meiner Musik, als öffnete sich ein Fenster – und wir sind mit einem Mal in der Vergangenheit, bei Mahler oder im frühen 19. Jahrhundert. Dann schließt sich das Fenster wieder, und es öffnet sich vielleicht später aufs Neue, und wir sind wieder in einer ganz anderen Epoche der Musikgeschichte…

 


4. Sinfoniekonzert

6. MÄRZ 2016, 11 UHR │ 7. MÄRZ 2016, 19.30 UHR

Musikalische Leitung: Alejo Pérez
Sopran: Laura Aikin
Staatsorchester Stuttgart

FRANZ SCHREKER
INTERMEZZO OP. 8 (1900)

PHILIPPE BOESMANS
TRAKL-LIEDER (1986-89)

GUSTAV MAHLER
SINFONIE NR. 4 G-DUR FÜR ORCHESTER UND SOPRAN-SOLO (1899-1900)

Einführung 45 Minuten vor Beginn im Silchersaal, Liederhalle

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