The Fairy Queen//One charming night

In einer Nacht kann viel passieren. So auch im Sommernachtstraum von Shakespeare, auf dem The Fairy Queen von Henry Purcell basiert.

One charming night gives more delight than a hundred lucky days

22:00 charming night: Alles eine riesengroße Party. Hermia und Lysander geben sich im Foyer des Schauspielhauses das Ja-Wort. Ein großes Fest mit dem Publikum als Hochzeitsgesellschaft, mit einem besoffenem Trauzeugen, einem Kauderwelsch sprechenden Pfarrer und natürlich Puck, der laut und schief ins Mikro Dancing Queen von ABBA grölt.

23:00 charming night: Die Hochzeitsfeier hat sich auf die Bühne verlagert. Alles scheint ausgelassen und fröhlich, doch man merkt, dass, zwischen der ganzen Tanzerei und der Tortenschlacht, nicht alles so heil ist in der Elfenwelt, wie es scheint. Wenn ständig einer allein in der Ecke an der Flasche hängt, kann nicht alles in Ordnung sein.

24:00 charming night: Inzwischen hat sich die Dunkelheit über die Szenerie gelegt. Hermia und Lysander verlassen verliebt die Hochzeit, doch Hermia scheint noch Zweifel zu haben, als sich Lysander zu ihr legen will, lehnt sie ihn ab.
Auch Helena ist unglücklich. Sie liebt Demetrius, doch dieser wiederum hat nur Augen für Hermia. Demetrius rattert seine, wie auswendig gelernten Worte runter, als ob er sie ihr schon oft genug gesagt hat und verschmäht Helenas Liebe.

01.00 charming night: Und noch ein unglückliches Liebespaar. Titania und Oberon. Sie werfen sich gegenseitig die Untreue vor und streiten sich um den Lustknaben Indian Boy, den Titania zuvor schon fast entkleidet hat. Ein Gerangel beginnt, doch Titania zieht am Ende stur den leichtbekleideten Lustknaben von der Bühne.

02.00 charming night: Fast Halbzeit: Inzwischen hat man so gut wie alle Schauspieler und Sänger in Unterwäsche bekleidet und Männer in Spitzenmieder, Feinstrumpfhose oder High Heels gesehen. Hier alles ganz normal.
Weiter in der Handlung: Oberon befiehlt Puck einen Liebestrank für Titania und die anderen unglücklichen Liebespaare zu finden. Puck macht sich auf die Suche und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

03.00 charming night: In die erste Frau, die Lysander vor die Nase läuft, soll er sich verlieben, zu schade, dass das nicht seine Braut Hermia, sondern deren beste Freundin Helena ist. Sofort gesteht Lysander Helena seine Liebe und wirft seinen Ehering im hohen Bogen weg. Woraufhin sich Puck hinterher stürzt und á la Gollum mit den Worten „Mein Schaaaatz“ wieder hervorgekrochen kommt.

04.00 charming night: Eine Szene, die irgendwie nicht in die Handlung passt, aber trotzdem eine der besten des ganzen Stückes ist. Demetrius und die Queen of Secresie singen ein Liebesduett über das Küssen in bester Damenmanier. Beide stecken vom Fuß bis zum Bauch in barocken Damenkleidern. Doch es kommt noch besser, ein wenig später singt im Hintergrund der Chor pärchenweise Männer und Frauen, jeweils mit Babypuppe schwingend an den Händen. Im Vordergrund liefern sich zwei leichtbekleidete Männer ein Degenduell mit Lippenstiften. Prüderie ist hier eindeutig fehl am Platz, so mancher Zuschauer könnte sich vielleicht auf den Schlips getreten fühlen. Macht nichts, ich und der Rest des Publikums fanden es super.

05.00 charming night: Oberon will mit Pucks Liebestrank auch Titanias Liebe zurück gewinnen. Doch wieder geht es schief. Titania erblickt nämlich nicht den in Leo-Bademantel gekleideten Oberon, sondern einen Sterblichen. Namentlich ein Zuschauer namens Eberhardt, dem von Oberon noch Eselsohren übergezogen werden. Doch Titania verfällt ihm sofort.

06.00 charming night: Die Festgesellschaft findet wieder zusammen und alle feiern die Jahreszeiten. Den Sommer in Badeanzügen und Sonnenbrillen, mit Sonnencremeschmiererei und Synchronem- Sonnenbaden. Der Herbst kommt mit Windmaschine und bunten Blättern daher. Alle feiern, nur Helenas Herz ist in die kalte Welt des Winters eingeschlossen, ihre Freundschaft mit Hermia scheint für immer zerbrochen. Unglücklich klagt sie ihr Leid, begleitet von traurigem Gesang versinkt sie in ihrer Trauer, während die Discokugel sich langsam dreht und kleine Schatten an die Wände wirft.

07.00 charming night: Titanias Liebesfieber steigt immer mehr, sie weiß sich nicht mehr zu helfen. Oberon bekommt Mitleid und befreit mit Puck alle unglücklich Liebenden. Eberhard wird wieder zurück ins Publikum geschickt und ich warte auf mein kitschiges Ende.

08.00 charming night: Da kommt es, zumindest fast. Der Morgen ist da. Bedröppelt sitzen die Liebenden auf der Bühne. Die vergangene Nacht kommt ihnen wie ein Traum vor. Doch Hermia und Lysander finden wieder zusammen und auch die Liebe zwischen Demetrius und Helena scheint zu wachsen.

Fazit: Ein stürmische Nacht, zwischen klaren Vollmondschein und dunklen Nebelschwaden bis hin zu einem lauten Gewitter ist alles dabei. Packt euren Humor ein und auf zu einer perfekten Nacht, denn EINE bezaubernde Nacht ist besser, als 100 glückliche Tage.


The Fairy Queen
von Henry Purcell / William Shakespeare
Musikalische Leitung: Christian Curnyn
Regie: Calixto Bieito
Mit: Maja Beckmann, Lauryna Bendžiūnaitė, Susanne Böwe, Mirella Bunoaica, Josefin Feiler, Johann Jürgens, Caroline Junghanns, Mark Milhofer, Hanna Plaß, Arnaud Richard, Manolo Bertling/Christian Schneeweiß, Alexander Sprague, Michael Stiller, Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart

Foto: Julian Röder
Auf dem Bild: Johann Jürgens (Demetrius), Caroline Junghanns (Hermia), Josefin Feiler (Spring), Alexander Sprague (The Indian Boy)

Die letzte Vorstellung in dieser Spielzeit von The Fairy Queen am 22. Februar übertragen wir live ins Kammertheater. Karten gibt es ab sofort.

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