Step by step: Kurtág and Beckett

Die britische Musikwissenschaftlerin Dr. Catherine Laws spricht am Freitag (19.2.2016) ab 18.30 im Kammermusiksaal der Musikhochschule über Kurtág und Beckett (mehr Info). Hier schon einmal ein Ausblick in deutscher Sprache auf den Vortrag:

Die Musik György Kurtágs ist von bemerkenswerter Intensität. Sie besteht aus stark konzentrierten, fragmentarischen Elementen, durchbrochen von Stille. Abgesehen von wenigen größer dimensionierten Werken komponiert Kurtág bevorzugt für kleine Besetzung, wobei er kurze, zersplitterte Formen nutzt und häufig größere Werke aus zahlreichen winzigen Sätzen zusammenfügt. Diese mosaikartige musikalische Sprache, in knappen Formen angeordnet, vermittelt oft einen künstlerischen Kampf mit dem Ausdruck: Wie, scheint sie zu fragen, können wir in der heutigen Zeit der widersprüchlichen Ideen und Überzeugungen eine gemeinsame Sprache finden, um miteinander zu reden? Aber wie könnten wir andererseits aufhören, sie zu suchen? In dieser Hinsicht ähnelt Kurtágs Werk dem Schreiben von Samuel Beckett, dem Poeten des Scheiterns, dessen Werk er erstmals 1957 in Paris begegnete: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better” (Samuel Beckett in Worstward Ho, Übersetzung etwa: Wieder versucht. Wieder gescheitert. Macht nichts. Versuch’s noch mal. Scheitere besser.)

Während seiner Komponistenlaufbahn hat sich Kurtág immer wieder Autoren zugewandt, die dieses Paradox des Ausdrucks teilen: Hölderlin und Celan beispielsweise, aber auch seinen Landsleuten János Pilinszky und Dezső Tandori. In seinen Beckett-Vertonungen findet sich der Kampf oft schon in den Worten wieder. Offensichtlich ist dies ist bei Becketts letztem Text What is the word (Was ist das Wort), aber auch in vielen Gedichten des im 3. Liedkonzert aufgeführten Liederzyklus: … pas à pas – nulle part … für Bariton mit Streichtrio und Schlagzeug. Catherine Laws untersucht in ihrem Vortrag diese geistige Nähe, indem sie von Kurtág geschaffene musikalische Parallelen zu Becketts Gedichten nachweist.

Catherine Laws ist Musikwissenschaftlerin und Pianistin, sie arbeitet als Dozentin (Lecturer) an der Universität York. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist das Verhältnis zwischen Musik, Sprache und Bedeutung, wobei sie sich besonders mit der Musikalität von Samuel Beckett und den Reaktionen verschiedener Komponisten auf seine Texte beschäftigt.

 

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