La Bohème//Vom Roman zur Oper

Auf dem Bild: Atalla Ayan, Bogdan Baciu
Foto: A.T. Schaefer

Essay von Arne Bloch

Die Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini mit einem Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica wurde 1896 in Turin uraufgeführt. Die Librettisten griffen bei der Entwicklung auf Henri Murgers Roman „Scènes de La Vie de Bohème“ und das darauf beruhende Schauspiel „La Vie de Bohème“, das Murger gemeinsam mit Théodore Barrière erarbeitete, zurück.

Zeitgleich arbeitete auch Ruggero Leoncavallo, der gemeinsam mit Giacosa, Illica und anderen das Libretto für Puccins „Manon Lescaut“ geschrieben hatte, an seiner Fassung des Bohème-Stoffes. Obwohl umstritten ist, ob Leoncavallo wirklich Puccini sein Libretto anbot, kam es zum Bruch der Bekanntschaft. Puccini gelang es, seine Version fünfzehn Monate vor Leoncavallo fertigzustellen und aufzuführen. Zur Uraufführung der Fassung Puccinis blieben die Kritiken verhalten, wohingegen Leoncavallo bei der ersten Aufführung in Venedig gefeiert wurde. Das Schicksal beider Uraufführungen hat sich heute ins Gegenteil verkehrt. Das Libretto Leoncavallos bleibt dichter an der Vorlage Murgers und beschränkt sich auf die Dramatik der Mimí und betrachtet die Geschichte mit schonungsloser Härte.

Puccini schafft es, den Kontrast zwischen den dramatischen und heiteren Szenen stärker herauszukehren, was sich auch in der Auswahl der Paarkonstellationen spiegelt. Diese Arbeit mit Gegensätzen mag zunächst unentschieden wirken, ist aber von Puccini durchaus beabsichtigt. Die Szenen von Rudolfo und Mimí bleiben die zentralen Stellen der Komposition, die ihre Wirkung, durch den Wechsel von verschiedenen Gemütszuständen noch verstärken.

Die Intention ihrer Arbeit beschreiben Giacosa und Illica im Vorwort des Librettos. Sie ließen sich von der Essenz von Murgers Roman, der Darstellung des Pariser Künstlerlebens, inspirieren. Die detailgetreue Nachzeichnung der Charaktere und deren Entwicklung sowie die Betrachtung des Milieus standen für sie im Vordergrund. Dadurch begründen sie ihre freie Gestaltung der Szenen und die Abwechslung von heiteren und ernsten Episoden. Besonders erwähnen sie die Zusammenlegung der Figuren Mimí und Francine, die in ihren Augen einen Charakter verkörpern. Die Librettisten idealisieren den Charakter der Mimí. Die negativen Züge ihres Charakters, wie Launenhaftigkeit, Egoismus oder wechselnde Männerbekanntschaften, werden im Libretto weitgehend aufgehoben. Die möglichen Makel wurden ausgebügelt. Trotz ihrer Krankheit wird sie im dritten Bild zur treibenden Kraft und fleht Rudolfo an die Trennung noch einen weiteren Monat zu verschieben. Als Mimí im Sterben liegt, glorifiziert Musetta in einem Gebet die Sterbende zu einem Engel und stellt Mimí auf eine höhere Stufe als sich selbst.

Die Grausamkeit des Todes wird durch die künstlerische Ausgestaltung Puccinis nicht herausgekehrt, sondern das Sterben vollzieht sich musikalisch fast unmerklich ohne eine große und laute musikalische Dramatik. Mimís langsam verlöschende Stimme mit der sechzehnmaligen Wiederholung des As-Tones sorgt dafür, dass der Zuhörer in einer sentimentalen Stimmung zurückgelassen wird. Das Ende der Oper zeigt das harte Schicksal der Mimí in einer anrührenden Form.

Literatur:
Giacosa, Guiseppe, Illica, Luigi: La Bohème, Übersetzung Attila Csampai/Ludwig Hinterschweiger, in: Giacomo Puccini, La Bohème – Texte, Materialien, Kommentare, Hrsg. Attila Csampai, Dietmar Holland, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1981, S. 52.
Marggraf, Wolfgang: Die Bohème von Torre del Lago, „La Lupa und Leoncavallo, in: Giacomo Puccini, La Bohème – Texte, Materialien, Kommentare, Hrsg. Attila Csampai, Dietmar Holland, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1981, S. 182-186.
Demel, Stefan: Giacomo Puccini – eine Psychobiographie, Stefan Demel/Gernot, S. 102-111.

 

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