„Die Rumba finde ich super“


3. Sinfoniekonzert
Simon Hewett dirigiert Rachmaninow
am 17. und 18. Januar in der Liederhalle


Beim nächsten Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart wird Elena Graf, seit 2014 Erste Konzertmeisterin des Orchesters, erstmals auch als Solistin zu erleben sein. Sie spielt das Violinkonzert von Bernd Alois Zimmermann aus dem Jahr 1950, das gerahmt wird von zwei Werken Sergej Rachmaninovs. Im Gespräch mit Konzertdramaturg Rafael Rennicke berichtet die junge Musikerin von ihren ersten Zimmermann-Eindrücken, unbequemen Tönen, ihrem Faible für südamerikanische Rhythmen und den Herausforderungen als Solistin und Konzertmeisterin.

 

Elena, als Du Zimmermanns Konzert zum ersten Mal gehört hast: Wie war Dein Eindruck?

Ein virtuoses, effektvolles, klangfarbenreiches Stück! Ich hatte vor einigen Jahren Zimmermanns Solo-Sonate gespielt, die zwar eine Spur moderner ist als das Konzert, aber im direkten Vergleich fast sperrig wirkt. Außerdem ist das Orchester hier ganz eindrucksvoll und abwechslungsreich eingesetzt. Und: Zimmermann überfordert den Hörer nicht! Das Konzert ist wunderbar knapp gehalten – und ist trotzdem dicht und vielseitig. Diese Musik hat’s in sich!

Worin besteht die geigerische Herausforderung?

Man muss erst einmal die Töne lernen, denn die liegen nicht wirklich »in der Hand«. Es gibt da einige komplizierte Intervalle und schnelle Läufe in die Höhe, die man nicht täglich in seinem Repertoire hat. Man muss also erst einmal »durchblicken«, und wenn man dann »durchgeblickt« hat, besteht die Herausforderung darin, daraus etwas zu machen: also die Charaktere herauszuarbeiten, den ganzen Schwung mitzunehmen, der Musik Gestalt zu geben. Es gibt in diesem Stück außerdem sehr viele Tempowechsel: Es wird eine eigene Herausforderung sein, die auch perfekt mit dem Orchester hinzubekommen!

Deine liebste Stelle?

Die Rumba im dritten Satz! Da blitzt so richtig südamerikanisches Flair auf – das finde ich super! Schon vor der eigentlichen Rumba gibt’s Rumba-Anklänge im Orchester, im Klavier, in der Celesta, den Streichern, ja: alle dürfen mal ran – vor allem die Schlagzeuger!

Du bist seit 2014 Erste Konzertmeisterin des Staatsorchesters – und spielst nun erstmals als Solistin mit »Deinem« Orchester. Kannst Du einige Besonderheiten dieses Rollentauschs beschreiben?

Also, zunächst einmal ist es viel leichter, ein Solo als Solist zu spielen als in der Rolle des Konzertmeisters im Orchester. Das ist eigentlich das Schwierigste für einen Konzertmeister: diese kleinen Soli, die ein oder zwei Takte lang sind; man spielt die ganze Zeit im Tutti-Klang, hört sich selbst mehr oder weniger gut, und muss dann auf einmal den richtigen Ton treffen, um gut aus dem Tutti rauszukommen. Das ist als Solist ganz anders: Man kommt auf die Bühne, hat von Anfang an den Fokus »solo« und muss sich nie wirklich in ein Tutti einfügen. Dafür besteht die Herausforderung als Solist darin, eine große Verantwortung für die Interpretation des Stücks zu übernehmen. Als Konzertmeister ist man hingegen eher der Vermittler zum Dirigenten und darf dabei ein ganz schönes multitasking beweisen: einerseits den Dirigenten beachten, dann immer wieder auch nach hinten hören, in die Gruppe hinein. Ich finde beide Rollen faszinierend!

In diesem Konzert wird Dein Kollege Wolf-Dieter Streicher Konzertmeister sein.

Hervorragend! Mit ihm verstehe ich mich sehr gut.


Das Gespräch führte Rafael Rennicke

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