The Fairy Queen #2

Schaun wir zu, was sich entspinnt?
Gott, wie dumm die Menschen sind.
Wenn dann zwei um eine werben,
Ist der Spaß fast schon zum Sterben.
Und der größte Spaß entsteht,
Wenn sich etwas falschrum dreht.

Puck (William Shakespeare „Ein Sommernachtstraum“)

Schauspieler Wolfgang Michalek spricht einen Ausschnitt aus William Shakespeares „Sommernachtstraum“ in der Übersetzung von Frank Günther.

Und da auch wir die Spielchen lieben
werden wir nur zu gern zu Dieben.
Präsentieren ganz wie Puck
Oper und Schauspiel im Verwirrungslook.
Drum hört und seht ganz unerwartet
hier und da was ganz entartet.
Schauspiel schaut bei Oper rein
und Oper kehrt beim Schauspiel ein!


 

Hier erklingt der Elfentanz aus Felix Mendelssohn Bartholdys
Bühnenmusik zu EIN SOMMERNACHTSTRAUM (1842)

Shakespeares »geniale Schöpferkraft« – wie sie von den deutschen Rezipienten, allen voran von Wieland, Schlegel, Tieck, Lessing und Goethe, in den Jahrzehnten um 1800 so enthusiastisch gerühmt werden sollte – hat in der Komödie A Midsummer Night’s Dream ihre wohl eigentümlichste Ausprägung gefunden: in der programmatischen Absicht des Dichters nämlich, eine breit angelegte und kontinuierliche »Verwirrung« der Handlung und der Gefühle zu stiften. Erst durch einen vom Elfenkönig Oberon befohlenen Liebeszauber lösen sich die vorgegebenen Liebespaare aus ihren bisherigen Bindungen, bei denen Vertreter hohen Standes, Elfenvolk und derbe Handwerker unbedenklich miteinander vermengt worden waren; sie finden zu vielfältigen neuen, aber nur einseitigen Zuneigungen, sodass das entstehende, verwirrende und mitunter sogar grausame Spiel schließlich durch den Gegenzauber Oberons wieder rückgängig gemacht wird. Ein Traumspiel also, das bereits den jungen Felix Mendelssohn Bartholdy fasziniert und zu einem der genialsten Würfe in der Musik des 19. Jahrhunderts inspiriert hat: der im Alter von 17 Jahren komponierten Sommernachtstraum-Ouvertüre. Jahrzehnte vergingen, bis sich Mendelssohn – mittlerweile Gewandhauskapellmeister in Leipzig – 1843 dem Sommernachtstraum noch einmal widmete und auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. eine Bühnenmusik für das Potsdamer Theater schrieb. Alles, was Shakespeares Sommernachtstraumwelt im Äußersten und Innersten zusammenhält – Elfenspuk und Feenzauber, Waldesdunkel und Liebeslicht, Vernunft und Narrheit, Rüpeltänze und Handwerkerpossen –, sollte nun in einem mehrsätzigen Werk gebündelt erscheinen. Und noch immer hat diese Musik nichts von ihrem Zauber verloren.

Rafael Rennicke
(erschienen im Programmheft des 2. Kammerkonzerts „Schlag nach bei Shakespeare“)

 


The Fairy Queen
von Henry Purcell / William Shakespeare
Regie: Calixto Bieito
Musikalische Leitung: Christian Curnyn
Mit: Lauryna Bendziunaite, Susanne Böwe, Mirella Bunoaica, Josefin Feiler, Johann Jürgens, Caroline Junghanns, Katharina Knap, Mark Milhofer, Hanna Plaß, Arnaud Richard, Christian Schneeweiß, Alexander Sprague, Michael Stiller, Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


 

Foto: Joseph Keppler Sr (1838–1894), Flagler Museum Archives.

 

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