so machen sie es alle – ein trugschluss?

Wenn am Ende von Così fan tutte alle gemeinsam das Lob der Vernunft anstimmen, so will den Protagonisten keiner so recht glauben, dass sie selbst von der Richtigkeit ihrer Gedanken überzeugt sind: »Glücklich der Mensch, der alles von der guten Seite nimmt und in den Wechselfällen des Lebens sich von der Vernunft leiten lässt«. Mit dieser Maxime ist die Liebe noch nicht außer Kraft gesetzt. In einem französischen Traktat über die Kämpfe, welche die Liebe gegen die Vernunft und die Eifersucht geführt hat, kommt es am Ende zum Showdown im Streitgespräch zwischen Liebe und Vernunft. Die Liebe gesteht der Vernunft die Zuständigkeit für das Allgemeine zu – während sie im Besonderen weiterhin Souverän ist: »Und dies lässt mein Reich von ihrem recht verschieden sein; sie können niemals in absoluter Herrschaft Befehle erteilen, denn Sie sind verpflichtet, in allen Dingen Vernunft walten zu lassen. Aber ich agiere souverän und handle nur dann vernünftig, wenn es mir gefällt.«

Dieser Sieg der Vernunft mag jedoch nicht der einzige Trugschluss am Ende dieser Oper sein. Eigentlich beginnt sie sogar mit einem. Schon in der Ouvertüre präsentiert Mozart deutlich das musikalische Motiv, mit dem Don Alfonso im Verlauf der Oper seine zynische These kund tut: »Così fan tutte«.

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Mozart harmonisiert diese Aussage jedoch zunächst nicht als »Aussage« mit einem vollgültigen harmonischen Schluss, sondern mit einer Wendung in die Moll-Parallele. Ein harmonischer Schritt, der in der Musikwissenschaft als »Trugschluss« bezeichnet wird. Mozart präsentiert die These der Oper also selbst zunächst als Frage, deren Beantwortung im Laufe des Abends erfolgt.