Polyamorie

Was würden Paartherapeuten Dorabella und Ferrando, Fiordiligi und Guglielmo wohl heute raten, wenn sie nach dem Erlebten ihre Sprechstunde aufsuchen würden? Vermutlich würden sie zunächst konstatieren, dass Fiordiligi und Ferrando am AMEFI-Dilemma leiden. „AMEFI steht für den Wunsch ‚Alles mit einem für Immer’, und die diesige Mehrheit der Menschen in unseren Breitengraden wünscht sich genau das. Einen einzigen Menschen, mit dem man // in einer Partnerschaft alles teilen kann, und diese Beziehung dann ewig auf diesem Niveau zu führen. Das sind drei Wünsche auf einmal, und in der Kombination sind sie für Partnerschaften geradezu tödlich, weil es real existierenden Beziehungen prinzipiell unmöglich ist, all dies zu erfüllen.“ So schreiben die beiden Paarberater Fischbach und Lendt in ihrem Buch „Treue ist auch keine Lösung“. (Ein Interview mit den beiden gibt es hier: http://www.treueistauchkeineloesung.de/pages/interview.html

Sodann würden sie ihnen vermutlich raten, ihr Leben von der NRE, der New Relationship Energy, erfüllen zu lassen. „Die Liebe hat vermutlich nie den Anspruch gehabt, zwei Menschen in trauter Zweisamkeit für ein ganzes Leben aneinanderzubinden. Liebe hat vor allem etwas mit Aufbruch zu tun und damit, dass zwei Individuen ihre Komfortzone fasziniert verlassen, um sich auf die Suche nach dem schillernden Möglichen zu machen, das die Luft erfüllt, wenn sie zusammenkommen“, würden sie vermutlichen sagen. Und in den Augen der wachsenden Zahl polyamourös gebundener Menschen hätten sie sogar wohl ein bisschen recht, wenn sie feststellen würden: „Vielleicht ist aber gar nicht die Liebe oder die Treue das Problem – sondern schlicht und ergreifend die Monogamie.“ Eifersucht enthält ein großes Gewaltpotenzial. Nur Liebe wird nicht weniger, wenn man sie verschwendet.

Die Tageszeitung Die Welt hat in den vergangenen Jahren immer wieder über das Phänomen der Polyamorie berichtet.

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