Die Uraufführungsstätte 1: Zeitzeugenberichte

Die Aufführung von Il Vologeso fand 1766 im Opernhaus des Schlosses von Ludwigsburg statt.
Opernhaus Ludwigsburg 608Kretschmer, Ansicht der Stadt Ludwigsburg von Norden, Kupferstich um 1770, Ludwigsburg Museum. Links vom Schloss ist das große Opernhaus zu sehen (Klick aufs Bild öffnet größere Ansicht)

Johann Wolfgang von Goethe 1797 über dieses Opernhaus:

„Das große Operntheater ist ein merkwürdiges Gebäude aus Holz und leichten Brettern zusammengeschlagen und zeugt von dem Geiste des Erbauers, der viele und hohe Gäste würdig und bequem unterhalten wollte. Das Theater ist 18 Schritte breit auch ungeheuer hoch, indem das Haus vier Logen enthält. In seiner möglichen Länge hat es 76 Schritt. Das Proszenium und das Orchester ist sehr groß, das Parterre dagegen sehr klein, man konnte überall gut sehen und höchst wahrscheinlich auch gut hören. Gegenwärtig ist es seit der Anwesenheit des Großfürsten zu einem Tanzsaale eingerichtet.“

Justinus Kerner (1786-1862) erinnert sich in seiner Autobiographie an das zu dieser Zeit längst stillgelegte Theater:
„So mysteriös wie dieses Zimmer, doch ganz feenartig und wunderbar, kam mir als Kind das damals noch stehende, aber ganz verlassene und verschlossene, ungeheure Opernhaus vor, das Herzog Carl mit unsäglichen Kosten und in ungeheurer Eile zu seinen großen Opern und Festzügen, in welchen ganze Regimenter zu Pferd über die Bühne zogen, dahin erbauen ließ, wo in den sogenannten Anlagen hinter dem Schlosse jetzt der Spielplatz ist. Es ist bekannt, daß dieses wohl das größte Opernhaus in Deutschland war. Es war in seinem ganzen Innern völlig mit Spiegelgläsern ausgekleidet, alle Wände, alle Logen mit ihren Säulen waren von Spiegelgläsern. Man kann sich den Effekt eines solchen Hauses im Glanze der vielen hundert Lichter wohl kaum denken. Ich sah es natürlich nie in seiner Beleuchtung, sondern geradezu immer nur bei verschlossenen Türen und Läden, wo aber seine Wirkung für die Phantasie eines Knaben gewiß noch viel wunderbarer und zauberhafter war.
Trat man hinein, so sah man sich, wenn auch im Dämmerlichte, vielhundertmal wieder, und man glaubte auf einmal das ganze Theater von seinem eigenen Ich bevölkert zu sehen. Oft drang nach dem Zuge der Wolken von außen wieder ein heller Sonnenstrahl durch die Ritzen und Spalten der Türen und Läden; dann widerstrahlte das Haus oft in Farben des Regenbogens oder entstand sonst eine magische Beleuchtung.
Dabei standen noch aus alter Zeit halbzertrümmerte Bilder von Ritterrossen, Elefanten und Löwen umher. Oft flohen wir, durch all diese Erscheinungen im Innern dieses Zauberhauses fast zur Verwirrung gebracht, schnell hinaus an den hellen, klaren Tag.“