„Dass ich das noch erleben darf“ – Kritiken zu Jakob Lenz online

operstuttgart

Dem Radiojournalisten Peter Jungblut vom Bayerischen Rundfunk sagte Rihm diese Worte bewegt ins Mikrophon:
„Das ist jetzt ein blöder Satz: Dass ich das noch erleben darf. Aber verstehen Sie, ich bin jetzt 62 und das ist was ganz Tolles, wenn man erleben darf, das ein Stück, was man als junger Springinsfeld mit 25, 26 geschrieben hat, dass das so aufgenommen, so verstanden wird. Das ist etwas ganz, ganz Besonderes.“

Susanne Benda hat in den Stuttgarter Nachrichten vor allem auch die Musik von Wolfgang Rihm genossen: Rihms Stück wirkt, wie auch die Stuttgarter Premiere des „Lenz“ am Samstagabend bewies, bis heute stark – zum einen wegen seiner zeitlos gültigen Geschichte, zum anderen wegen einer Musik, die auf packende Weise die hermetischen, irrlichternden Innenwelten eines an Welt und Wahn verzweifelnden Menschen vorführt.

Auch Jürgen Kanold hebt die musikalische Qualität dieser Aufführung im Zollern-Alb-Kurier hervor: Faszinierend, wie das nur elfköpfige Staatsorchester, angeführt von drei Celli, unter Franck Ollu den Raum ausfüllt: körperlich spürbar, marternd, anklagend, bewegend. […] Diese Kammeroper ist ein Hörerlebnis – allein schon wie Rihm zitiert, etwa mit dem protestantischen Choral seinen Lenz geradezu vor der Hölle retten will.“

Elisabeth Schwind macht im Südkurier die Qualität von Andrea Breths Inszenierung in ihrer szenischen Transposition der Musik aus: „Breths szenische Bilder erhalten so etwas Pittoreskes und gehen doch schneidend unter die Haut. Es sind strenge Kompositionen, die direkt aus der Musik entwickelt sind.“

Heinz W. Koch erkennt in der Badischen Zeitung in dieser Regiearbeit von Andrea Breth die gleiche Präzision, wie sie auch ihre Schauspielarbeiten auszeichnet: „eine Inszenierung von fesselnder Kraft, eine, die sich geduldig in die Gestalten versenkt, sie mit einer Genauigkeit sondergleichen, mit der Dringlichkeit von Breths Schauspielarbeiten verfolgt, leise auch, von bisweilen panischer Stille und ganz ohne wichtigtuerisch-äußerliche Einfälle auskommend, überaus präzise dazu noch im plötzlichen Auf- und Wegblenden der 13 Bilder. Wahrlich ein großer Abend gedankentiefen, dicht gefügten und obendrein berührenden Musiktheaters.“