Lenz des Tages [4] mit hitzigem Fieber

LENZDESTAGESJungfer Knicks.
Ich kanns Ihnen vor Lachen nicht erzehlen, Frau Räthin, ich muß krank vor Lachen werden. Stellen Sie Sich vor: wir gehen mit Jungfer Hamster im Gäßchen hier nah bey, so läuft uns ein Mensch im Wolfspelz vorbey, als ob er durch Spießruthen gejagt würde; drey große Hunde hinter ihm drein. Jungfer Hamster bekam einen Schubb, daß sie mit dem Kopf an die Mauer schlug und überlaut schreyen muste.

Frau Hamster.
Wer war es denn?

Jungfer Knicks.
Stellen Sie Sich vor, als wir ihm nachsahen, war’s Herr Pätus – Er muß rasend worden seyn.

Frau Hamster.
Mit einem Wolfspelz in dieser Hitze!

Jungfer Hamster. (hält sich den Kopf)
Ich glaube noch immer, er ist aus dem hitzigen Fieber aufgesprungen. Er ließ uns heut Morgen sagen, er sey krank.

Jungfer Knicks.
Und die drey Hunde hinter ihm drein, das war das lustigste. Ich hatte mir vorgenommen heut in die Komödie zu gehen, aber nun mag ich nicht, ich würde doch da nicht soviel zu lachen kriegen. Das vergeß ich mein Lebtage nicht. Seine Haare flogen ihm nach wie der Schweif an einem Kometen, und je eyfriger er lief, desto eyfriger schlugen die Hunde an und er hatte das Herz nicht, sich einmal umzusehen .. Das war unvergleichlich!

Frau Hamster.
Schrie er nicht? Er wird gemeynt haben, die Hunde seyn wütig.

Jungfer Knicks.
Ich glaub, er hatte keine Zeit zum Schreyen, aber roth war er wie ein Krebs und hielt das Maul offen, wie die Hunde hinter ihm drein – O das war nicht mit Geld zu bezahlen! ich gäbe nicht meine Schnur ächter Perlen darum, daß ich das nicht gesehen.

Jakob Lenz Der Hofmeister