Der Eindringling im Opernhaus

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Aufeinander hören: mit unterschiedlichen Objekten kreieren die Schüler die Musik zur vierte Szene.

Dass man Musik nicht nur mit Cello, Gitarre oder Bratsche, sondern auch mit Luftballons, Plastikflaschen, Büroklammern, Gläsern und Alufolie machen kann, ist für die Schüler des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums nichts neues mehr. Das hat ihnen die Komponistin Marina Khorkova in den ersten Workshops bereits spielend erklärt. Außerdem macht Mark Andre das auch manchmal in seiner Musik. Aber wie muss man die Objekte bespielen, und – vor allem – wie muss ich mit den anderen Musikern interagieren, damit am Ende aus den Geräuschen Musik wird? Darum ging es vergangenen Freitag beim Erarbeiten derjenigen Szene, an der alle Schüler beteiligt sind: Eine junge verzweifelte Frau hat fremde Stimmen ihn ihrem Kopf. Stimmen mussten also die individuellen Spieltechniken an den Objekten und die richtigen Einsätze, damit eine klanglich spannende Atmosphäre für die Szene entstehen konnte. Mit Khorkovas hilfreichen Tipps und einer Reserve an Luftballons – „ups, schon wieder zerplatzt!“ – konnte sich das Endergebnis sehen lassen.

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Klangvielfalt eines präparierten Flügels

Für neue Inspiration und Ideen für die eigene Arbeit sorgte der anschließende Probenbesuch im Opernhaus: endlich das Original sehen, worüber man seit Wochen spricht! Orchester, Sänger und Schauspieler probten die zweite der vier Situationen aus Mark Andres Neuling. Viele Elemente, die im Workshop zuvor noch für das eigene Projekt erarbeitet worden sind, fanden die Jugendlichen auf der großen Bühne wieder: Die Vokalisen der Sänger, das fortwährende aber scharfe Pianissimo der Musik und natürlich die Thematik des Fremden, des Eindringlings.

Warum singt die Frau im roten Kleid, die Hauptfigur Johannes aber nicht? Wie funktioniert die Technik? Wer zählt denn da die Takte und warum? Und warum eine Aufführung ausgerechnet an der Oper Stuttgart? Woher kommen die musikalischen Ideen? Beim Zuschauen kommen viele Fragen auf, über die man selbst nur phantasieren und spekulieren kann. Auskunft gibt es direkt vom Komponisten persönlich: „Danke, berechtigte Fragen“ befand Mark Andre immer wieder und nahm sich nach der Probe viel Zeit, um die Jugendlichen in seine musikalischen Ideen einzuweihen, Episoden aus seinen Reiseerlebnissen zu erzählen oder aus dem Nähkästchen zu plaudern . Und das in so gelockerter Atmosphäre, als säße Mark Andre mit den Jugendlichen ganz gemütlich im Wohnzimmer.

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Und auch die allerletzten Aufnahmen für die elektroakustischen Kompositionen werden noch gemacht…

Das sollte für die Schüler neue Motivation genug sein für ihr Projekt „Der Eindringling“. Während die heiße Phase für die Aufführung am 16. März begonnen hat und in den Proben noch fleißig Szenen und Eigenkompositionen perfektioniert werden, ist an diesem Sonntag die erste Etappe erfolgreich geschafft: Unmittelbar vor der Uraufführung von „wunderzaichen“ am 02. März werden die elektroakustischen Kompositionen, die mit viel Engagement entstanden sind, über Hörsäulen im Foyer der Öffentlichkeit präsentiert – eine Weltpremiere also! Mark Andre, so sagte er den Jugendlichen, freut sich auf die Ergebnisse und ist gespannt, welche Elemente seiner Oper er wiederum in den kreativen Kompositionen der Schüler finden wird.

Ein Projekt des   Unbenannt-2   gefördert durch die BWStiftung

DER EINDRINGLING – DENKRAUM IV WUNDERZAICHEN

Präsentation des Kompositionsworkshops zu Mark Andres „wunderzaichen“ von und mit SchülerInnen des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart.

Eine transplantierte Hand mit einem eigenem Willen, ein verlassener Mann, der allmählich zu seiner Ex-Freundin wird, ein Sportler, dem fremdes Blut durch die Adern strömt und eine verzweifelte Frau, die die Stimmen in ihrem Kopf nicht loswird: Auf der Basis einer intensiven Beschäftigung mit Mark Andres Kompositionsmethoden und unter der Leitung von Komponistin Marina Khorkova entwickeln Jugendliche als Komponisten von elektroakustischer und akustischer Musik, als Musiker und als Darsteller vier eigene Musiktheaterszenen, in denen ein Eindringling ins eigene Ich zum Thema wird.

Von und mit: Leonard Avelini, Nicolas Beck , Leopold Bier, Israel Ereme, Vera Fiedler, Rosa Freudenreich, Flora Hähnel, Hanna Hauber, Anton Keller, Aniko Kovacs, Jeremy Nguyen, Violetta Quapp, Maximilian Schäfer, William Stamenkovic, Levan Stülpnagel, Alica Waidosch

Präsentation am SONNTAG 16. MÄRZ 2014

17 – 17.45 UHR | OPERNHAUS, FOYER, I. RANG

EINTRITT FREI  – KOSTENLOSE EINLASSKARTEN AN DER THEATERKASSE