fragment einer sprache der … zwei

bühne der zwei

Die Liebe ist eine „Bühne der Zwei“, wie Alain Badiou schreibt. Sie unterbricht die Perspektive des Einen und lässt die Welt aus dem Gesichtspunkt des Anderen oder des Unterschiedes neu erstehen. Die Negativität einer Umwälzung zeichnet die Liebe als Erfahrung und Begegnung aus: „Es ist klar, dass ich unter der Einwirkung einer Liebesbegegnung, wenn ich ihr wirklich treu bleiben will, von Kopf bis Fuß meine gewöhnliche Art, meine Situation zu leben (habiter), umkrempeln muss.“ (Alain Badiou)

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Heute: Einführungsmatinee

Copyright by A.T.Schaefer

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Bei der Einführungsmatinee am Pfingstmontag, 25. Mai 2015, um 11 Uhr im Foyer I. Rang stellen Yannis Houvardas (Regie), Herbert Murauer (Bühnenbild) und Patrick Hahn (Dramaturgie) ihr Konzept der Neuinszenierung vor.

Karin Torbjörnsdóttir, Dominic Große und Thomas Elwin aus dem Opernstudio umrahmen die Matinee musikalisch.

Karten (5 Euro) unter Tel. 0711 20 20 90 oder www.oper-stuttgart.de/cosi/

Heute: öffentliche Probe

Copyright by A.T.Schaefer

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Am heutigen Samstag, 23.05.2015, öffnet die Oper Stuttgart erstmals vor der Premiere von Così fan tutte die Türen für einen ersten öffentlichen Einblick in die Probenarbeit.

Der Eintritt ist frei. Kostenlose Platzkarten sind an der Theaterkasse (Theaterpassage) oder unmittelbar vor der öffentlichen Probe an der Veranstaltungskasse im Opernhaus erhältlich.

Die Probe beginnt um 9.45 Uhr mit einer Einführung und endet ca. 11.30 Uhr. Die Probe findet mit dem Staatsorchester Stuttgart statt und wird musikalisch geleitet von Sylvain Cambreling.


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Fragment einer Sprache der … Abwesenheit

Copyright by A.T.Schaefer

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Der Andere ist im Zustand immerwährenden Aufbruchs, im Zustande der Reise; er ist, seiner Bestimmung nach, Wanderer, Flüchtiger; ich, der ich liebe, bin meiner umgekehrten Bestimmung nach sesshaft, unbeweglich, verfügbar, in Erwartung, an Ort und Stelle gebannt, nicht abgeholt wie ein Paket in einem verlassenen Bahnhofswinkel. Die Abwesenheit des Liebenden geht nur in eine Richtung und lässt sich nur aus der position dessen aussprechen, der dableibt – nicht von dem, der aufbricht: das immer gegenwärtige ich konstituiert sich nur angesichts eines unaufhörlich abwesenden du.

[…] Manchmal gelingt es mir, die Abwesenheit leidlich zu ertragen. Ich bin dann „normal“; ich richte mich nach der Art und Weise, wie „jedermann“ die Trennung von einer „teuren Person“ erträgt; ich unterwerfe mich sachkundig der Dressur, mittels deren man mich sehr früh an die Abwesenheit der Mutter gewöhnt hat – was gleichwohl anfangs nicht aufhörte schmerzlich zu sein (um nicht zu sagen: beängstigend). […]

Diese leidlich ertragene Abwesenheit ist nichts anderes als das Vergessen. Ich bin gelegentlich untreu. Das ist die Bedingung meines Überlebens; denn wenn ich nicht vergäße, stürbe ich. Der Liebende, der nicht manchmal vergisst, stirbt an Maßlosigkeit, Ermattung und Gedächtnisüberreizung (wie Werther). […]

Die Abwesenheit dauert an, ich muß sie ertragen. Also manipuliere ich sie: ich verwandle die Verzerrung der Zeit in ein Hin und Her […]. Die Abwesenheit wird zur aktiven Praxis, zu Geschäftigkeit (die mich hindert, irgend etwas anderes zu tun); es kommt zur Ausarbeitung einer Fiktion mit vielfältigen Rollen (Zweifeln, Vorwürfen, Anwandlungen von Begierde und Melancholie). Diese sprachliche Inszenierung hält den Tod des Anderen fern […]. Die Abwesenheit manipulieren heißt diesen Augenblick verlängern, den Moment, da der Andere aus der Abwesenheit kurzerhand in den Tod stürzen könnte, so lange wie möglich hinauszögern.

Aus: Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe. Übersetzt von Hans-Horst Henschen, Frankfurt am Main 1988, S. 28-30.


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