Helene Schneiderman singt Jommelli -

ein Höhepunkt zum Abschluss des WERKRAUM JOMMELLI!

Alle Begeisterten, die nach den ersten drei Vorstellungen von Jommellis Berenike, Königin von Armenien (Il Vologeso) noch nicht genug haben und sich von seiner virtuosen Musik entzücken lassen möchten, können sich freuen – auch vor der nächsten Berenike-Serie (ab dem 9. Mai dieses Jahres)! Demnächst gibt es ein weiteres Konzert mit Kompositionen von Jommelli und seinen Zeitgenossen: Am Mittwoch, den 4. März präsentieren Helene Schneiderman und weitere Ensemblemitglieder und Gäste der Oper Stuttgart im Mozartsaal der Liederhalle musikalische Kostbarkeiten unter dem Titel „L’epoca più gloriosa“. Die Musikalische Leitung liegt bei dem Geiger, Konzertmeister und Dirigenten Bernhard Forck, der nun schon zum wiederholten Male die Musikerinnen und Musik des Staatsorchesters mit seiner Erfahrung im „vorklassischen“ Repertoire inspirieren wird.

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Bruno Forment: Niccolò Jommelli und sein ‘Vologeso’ (Teil 4)

Vortrag, gehalten in englischer Sprache im Rahmen des WERKRAUM JOMMELLI an der Oper Stuttgart am 6. Februar 2015,
deutsch von Hanna Kneissler und Sergio Morabito.

(Hier geht’s zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.)

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Arienverteilung “Lucio Vero” (Venedig, 1699)

Diese erste Graphik zeigt die Verteilung der 36 Arien in Zenos ›Urtext‹ von 1699: Den Löwenanteil hat Berenice mit zehn Arien, während Lucilla und Aniceto jeweils sechs Arien erhielten. (Zeno hatte eine Vorliebe für solch intrigante Vertraute; Aniceto wird im Original des Lucio Vero von Vologeso erstochen, wobei sein Tod nur erzählt, nicht gezeigt wird.) Erst an dritter Stelle folgen Lucio Vero und Vologeso mit je fünf Arien: die Rivalen bekamen also gleich viel zu singen. Claudio (alias Flavio) erhielt mit „nur“ vier die wenigsten Arien. Eine Rolle hat gar keine Arien, sondern nur Rezitative: Niso (er fehlt bei Jommelli). Schade, dass wir die Namen der Erstbesetzung von Zenos Oper nicht kennen und die Partitur von Carlo Francesco Pollarolo verloren gegangen ist; ansonsten hätten wir die Rollenhierarchie rekonstruieren können (Berenice als Prima donna, Vologeso als Primo uomo etc.).

Die nächste Abbildung verdeutlicht, dass Jommellis Mailänder Fassung von 1754 (Lucio Vero) nur mehr 24 Arien aufweist:

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Bruno Forment: Niccolò Jommelli und sein ‘Vologeso’ (Teil 3)

Vortrag, gehalten in englischer Sprache im Rahmen des WERKRAUM JOMMELLI an der Oper Stuttgart am 6. Februar 2015, deutsch von Hanna Kneissler und Sergio Morabito.

(Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2)

Trotz Zenos eigenen Vorbehalten gegenüber seiner Libretto-Produktion möchte ich die Gelegenheit nutzen, die theatralen Qualitäten von Lucio Vero gebührend zu würdigen. Es ist wirklich kein Zufall, dass dieses Dramma per musica zu den beliebtesten der gesamten Aufklärungsepoche gehörte, beschreibt seine Handlung doch eine Achterbahn spektakulärer Wendepunkte. Unter den theatralischen Höhepunkten beeindruckt mich die Szenenfolge 2 bis 7 des dritten Aktes besonders: Lucius Verus lässt Berenike – in einer Mischung aus Terror und Zuwendung – ein zugedecktes Becken reichen, das nicht, wie Berenike vermuten muss, den abgetrennten Kopf Vologesos, sondern Krone und Zepter enthält, die Berenike aber ablehnt. Diesen coup de théâtre, der eines Victor Hugo würdig wäre, gestaltete Jommelli in einer Redaktion, die Zenos Grundstruktur und auch seinen Wortlaut im Wesentlichen beibehalten hat. Jommelli schuf eine außerordentliche Ombra-Szene in einem recitativo obbligato, in dem er sich nicht – wie es in Accompagnati der Zeit die Regel ist – auf den Streicherapparat beschränkt, sondern auch Holzbläser prominent einbezieht. Die Tonart ist Es-Dur, die dunkle, „todesnahe“ Tonart auch von Jommellis Requiem aus dem Jahr 1756. Äußerst effektvolle Motive und Orchesterfarben schildern Berenikes Orientierungsverlust, ihre Angst und ihre Halluzinationen. An einer Stelle bezieht sie sich auf das „Mahl des Thyestes“ (laut der griechischen Sage wurden Thyestes seine eigenen Kinder serviert), und hört den Geist (ombra) Vologesos, den sie für tot hält. Letzterer wird durch ein Trio von zwei Oboen und einem Fagott evoziert (zur berühmten Hofkapelle Carl Eugens gehörten zwei katalanische Oboen-Virtuosen, José und Joan Baptista Plà).

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Bruno Forment: Niccolò Jommelli und sein ‘Vologeso’ (Teil 2)

Vortrag, gehalten in englischer Sprache im Rahmen des WERKRAUM JOMMELLI an der Oper Stuttgart am 6. Februar 2015, deutsch von Hanna Kneissler und Sergio Morabito.

(Hier geht’s zu Teil 1)

Wie der Großteil von Zenos Libretti basiert auch Lucio Vero auf historisch verbürgten Ereignissen und Charakteren. Für viele Künstler der Aufklärung bot ein solcher Stoff das sine qua non künstlerischer Wirkungsmöglichkeit, da die ‚Darstellung der Natur’ als das Ziel von Kunst ganz allgemein begriffen wurde. Jommelli war ein glühender Verfechter dieser Überzeugung. In einem oft zitierten Brief, den er drei Jahre nach Il Vologeso 1769 schrieb, argumentierte er, dass „für die Tragödie eine historische Erzählung einer mythologischen immer überlegen“1 sei, denn während übernatürliche mythologische Vorgänge nur überraschen könnten, könne Geschichte uns menschlich berühren. Die Frage ist natürlich, bis zu welchem Grad Lucio Vero und dessen Überarbeitung Il Vologeso historisch genannt werden können. Die Titelfigur, Lucius Antoninus Verus, war ein Adoptivenkel des Kaisers Hadrian. Hadrian hatte verfügt, dass sein Adoptivsohn, Antoninus Pius, sein Nachfolger werden sollte – unter der Bedingung, dass dessen Nachfolger, Marc Aurel, Lucius Verus adoptierte, was im Jahr 161 zu einer einzigartigen Co-Regentschaft dieser beiden Männer führte.

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Lucius Antoninus Verus (130-169)

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Bruno Forment: Niccolò Jommelli und sein ‘Vologeso’ (Teil 1)

Vortrag, gehalten in englischer Sprache im Rahmen des WERKRAUM JOMMELLI an der Oper Stuttgart am 6. Februar 2015, deutsch von Hanna Kneissler und Sergio Morabito.

Vor genau einhundert Jahren, inmitten des Krieges, veröffentlichte die Zeitschrift Rivista italiana di musica einen Aufsatz mit dem Titel Un centenario silenzioso („Eine stille Hundertjahrfeier“). Seine Autorin, die 29-jährige Margherita Berio, beklagte die völlige Missachtung des 200. Geburtstages Niccolò Jommellis im Jahr 1914. „Niemand hat,“ schrieb Berio, „auch nicht bevor das Grauen des Krieges Leben, Dinge und Erinnerungen hinwegfegte, niemand hat meines Wissens das Schweigen über Jommelli und seinen Geburtstag gebrochen, der sich nun zum 200. Mal jährt.“ Trotz der „Vergessenheit, in der sein [Jommellis] Name eingeschlossen wurde, aber nicht verschwand“, sei es „keinesfalls überflüssig, über ihn, der eine wahrhaftige Krone unserer [d.h. der italienischen] Kunst war, zu sprechen“.

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Presseschau “Berenike” (2)

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Sophie Marilley, Helene Schneiderman und Catriona Smith in der Schlusszene von “Berenike, Königin von Armenien”. Foto: A. T. Schaefer.

Lohnende Entdeckung: Jommellis “Berenike” an der Oper Stuttgart (Jürgen Kanold, Südwest-Presse)

Liebeskrieg vor Playmobilkulisse (Robert Jungwirth, Klassikinfo.de)

Regie baut Brücken zwischen Zeiten (Jürgen Strein, Fränkische Nachrichten)

Liebesqualen im 3-D-Gemälde (Armin Knauer, Reutlinger Generalanzeiger)

Dunkle Wolken über dem Orchestergraben (Georg Rudiger, Mannheimer Morgen)

Rezension in “Kultur heute” (Peter Jungblut, Deutschlandfunk Kultur heute)
Der Beitrag beginnt ab Minute 1:23

Berenike ist auch Thema in der Kulturpresseschau von Perlentaucher,